Bonjour ihr Lieben!

Nun ist es endlich so weit: Ich werde zum ersten Mal die Frankfurter Buchmesse besuchen, erkunden, entdecken, genießen. Gegen 12 Uhr startet mein Zug gen FFM und vom morgigen Donnerstag bis einschließlich Samstag werde ich durch die Hallen streifen, mich schätzungsweise einhundertmal verirren und liebe Bloggerkollegen treffen. Euch Daheimgebliebene möchte ich gerne virtuell zu meinem ersten FBM-Besuch mitnehmen. Während der nächsten Tage werde ich diesen Beitrag daher in unregelmäßigen Abständen aktualisieren und ein paar kurze Messeimpressionen teilen. Wie oft das passieren wird, hängt jedoch von den Internet-Verbindungen vor Ort ab.

Als Leipziger-Buchmesse-Erfahrene bleiben natürlich auch Vergleiche der beiden Buchmessen nicht aus. Die FBM bekommt schon einmal jetzt einen Minuspunkt fürs Wetter, denn während die LBM jedes Jahr von Sonnenschein und wohlig-warmen Temperaturen begleitet wird, sieht es für die FBM15 so aus:

Wetteraussicht FBM15.jpg

Die App zur Frankfurter Buchmesse 2015

Die App zur Frankfurter Buchmesse 2015

Dafür kann die FBM im Bereich der Vorbereitung punkten: Seit diesem Jahr gibt es eine Messe-App mit Informationen zum Programm und interaktivem Hallenplan. Außerdem erhält man als akkreditierter Blogger vorab sein Ticket, mit dem einem sofort die Türen der Messe offen stehen – in Leipzig muss man trotz vorangehender Akkreditierung erst zum Pressecenter.

Ich bin gespannt, wie sich Frankfurt sonst noch im Vergleich zu Leipzig gestalten wird – vergangenes Wochenende hat ja immerhin die Essener Spielemesse im Vergleich zu Leipzig enttäuscht …

Mittwoch, 18.00 Uhr

Rund 6 Stunden nach Aufbruch bin ich endlich im Hostel angekommen. Da schneit es ein paar Flöckchen und schon klappt im Zugverkehr nichts mehr:
Theoretisch sollte ich mit einem Zug nach Köln und von dort mit dem ICE nach Frankfurt. In der Realität wurde die Fahrt zu einer Rundreise durch halb NRW mit mehreren eiskalten Wartephasen in Bahnhöfen, denn gleich mein erster Zug fiel aus. Die Alternativroute endete auf halber Strecke wegen eines umgestürzten Baumes und auf der Alternativroute zur Alternativroute gab es 15 Minuten Verspätung, sodass ich den ICE nach Frankfurt nicht mehr schaffte und eine Stunde auf dem Kölner Bahnhof zwischen Dunkin‘ Donuts und Coffee Fellows zubrachte, bis der nächste Zug eintraf. Aber wie ihr seht, bin ich nun doch (durchgefroren und müde) in der Messestadt angekommen.

Euch allen nun noch einen gemütlichen Mittwochabend! Bis morgen!

Donnerstag, 7.45 Uhr

Die Frankfurter Buchmesse bringt Menschen zusammen. Beim Frühstück im Hostel saß mir gerade ein bekanntes Gesicht aus meiner bis-vor-Kurzem-noch-Heimat und Herzensstadt Erfurt gegenüber. Schon lustig, wie klein die Welt manchmal ist.

Donnerstag, 9.30 Uhr

Vor ca. 30 Minuten habe ich die Messe – mit einem vom Frankfurter Wind zerstörtem Regenschirm – erreicht. Momentan irre ich noch völlig planlos herum und fühle mich wie auf einem Flughafen: ständig Ticket vorzeigen, Taschenkontrollen, schier endlose Flure mit Laufbändern und sinnlos große Freiflächen. Da ist Leipzig echt unkomplizierter: Man kommt an und ist sofort mittendrin.

Donnerstag, 12.00 Uhr

Ich habe gerade Feridun Zaimoglus Lesung aus „Siebentürmeviertel“ am Stand des Mainzer Gutenberg-Museums hinter mir. Leider hat das Mikrofon regelmäßig ausgesetzt und die Geräuschkulisse der Messe war zu laut, sodass es mir schwer fiel, mich richtig auf die Lesung einzulassen. Was mir in Erinnerung bleiben wird, ist Zaimoglus Beschreibung des türkischen Alphabets, seine ausgeprägtes, aber nie übertriebenes Gestikulieren und seine Vortragsweise, die mich ein wenig an Poetry Slammer erinnerte. Außerdem im Gedächtnis bleibt Gutenbergs Druckertreiber sowie die am Stand zu bestaunenden kleinsten Bücher der Welt – faszinierend dabei vor allem: das ganze Vaterunser auf einer Fläche von weniger als 1 Quadratzentimeter.

Nun befinde ich mich gerade auf dem Weg zum Treffen mit Mina von Aig an taigh.

Auf dem Weg dorthin kam ich am Stand von Jacoby&Stuart vorbei, wo ich tatsächlich schon einen Blick in das im Frühjahr erscheinende „Marie Antoinette“ von Benjamin Lacombe werfen konnte. Und, ach, es ist bezaubernd! Wie gern hätte ich mir gleich ein Exemplar geschnappt…

Donnerstag, 14.30 Uhr

Hinter mir liegt gerade ein Treffen mit der äußerst sympathischen Mina, die mir nach einem kurzen Kennenlernplausch das Lesezelt zeigte, das mit Tee und Spiegelwänden unglaublich gemütlich ist und in das ich ohne Mina vermutlich gar keinen Blick gewagt hätte. Daher: Danke Mina!

Inzwischen bin ich im Indonesien-Pavillon angekommen, staune über die Atmosphäre und Ausgestaltung der Räumlichkeiten, erhalte Eindrücke von Indonesiens Comickunst und lerne, dass Sailor Moons Mondstein überall fliegt und siegt.

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Freitag, 8.00 Uhr

Guten Morgen!

Ich hoffe, euer Start in den Freitag war besser als meiner?! Ich habe die zweite schlaflose Nacht hinter mir (Notiz an mich selbst: Nie wieder Mehrbettzimmer im Hostel!) und gestern beim zweistündigen Umherirren durchs verregnete Frankfurt meine Stimme verloren. (Mein Dank gilt an dieser Stelle Frankfurts ÖPNV, dessen Offline-Informationen zu Fahrstrecken – nett formuliert – bescheiden sind sowie den Bauverantwortlichen der Stadt, die dafür gesorgt haben, dass ich regelmäßig auf Kreuzungen stieß, bei denen in alle Richtungen der Fußweg gesperrt war, wodurch ich wiederholt zum Umkehren und nervigen Umwegen gezwungen war.)

Und wenn ich einmal beim Meckern bin: Ins WLAN der FBM konnte ich mich ab gestern Mittag nicht mehr einloggen und die WordPress-App hat zeitgleich einen Bug eingefangen, sodass ich euch erst heute vom gestrigen Nachmittag berichten kann.

imageZu meinen gestrigen Nachmittagsentdeckungen gehörten u.a. eine Leuchte in Buchform aus Indonesien und eine grandiose Tasche von teNeues, die ihr bereits am vergangenen Abend auf meiner Facebook-Seite sehen konntet.

imageBesonders gefreut habe ich mich über den Stand des dtv. Dieser wunderbare Verlag hat nämlich für die Messe in Rekordzeit eine Stellwand zum Gedenken Henning Mankells anfertigen lassen. Vielen Dank dafür an dieser Stelle dem Verlagsteam!

Des Weiteren habe ich es an meinem ersten Messetag tatsächlich geschafft, durch alle Messehallen zu streifen und fand sogar noch Zeit, das neue ZDF-Format „Die blaue Stunde“ zu verfolgen, in dem es um eine Wieder- bzw. Neuentdecken Astrid Lindgrens ging. Hintergrund waren eine aktuelle Biografie der Pippi-Langstrumpf-Schöpferin, ihre Kriegstagebücher und eine jahrelange Brieffreundschaft mit einer Leserin.

Zwischenzeitlich sah ich mir noch die Ausstellung „Wanderings“ an, die Comics von vier israelischen Karikaturisten zeigt. Leider ist die Präsentation ziemlich lieblos ausgefallen: Die Bilder hängen an kahlen Stellwänden, ohne irgendetwas, dass der Ausstellung einen angemessenen Rahmen verleiht oder die Aufmerksamkeit der Messebesucher auf die Bilder lenkt. Mehr als schade, denn die Comics selbst sind sehr sehenswert.

Doch genug zu gestern. Ich breche jetzt auf in den Messefreitag. Bis nachher!

Freitag, 10.40 Uhr

imageIn 20 Minuten startet die Lacombe-Präsentation des spanischen Verlags Edelvives. Was ich erst hier vor Ort erfuhr: Benjamin Lacombe wird selbst vor Ort sein. Damit sehe ich den besten Künstler der Welt in diesem Jahr bereits zum dritten Mal live. Das Fangirl in mir hyperventiliert gerade.

Freitag, 12.35 Uhr

Benjamin Lacombe hat wieder einmal eine wunderbare Präsentation gehalten, in der sein neustes Projekt „Carmen“ vorstellte, aber auch Einblicke in seine jüngst vollendete Illustration von „Alice im Wunderland“ gewährte. Mehr dazu verrate ich euch aber erst später in einem separaten Beitrag. 😉

Nach der Signierstunde schlenderte ich zum Stand von Lacombes deutschem Verleger Jacoby&Stuart, um drei kleine Fragen zu stellen, die ich schon am Vortag stellen wollte. Aber die armen Mitarbeiter am Stand waren permanent in intensive, lang andauernde, geschäftliche Gespräche verwickelt, sodass ich nach einigen Minuten – und nach einem erneuten, verliebten Durchblättern von „Marie Antoinette“ – weiterging.

Momentan gönn ich mir so etwas wie eine kleine Mittagspause – 14.00 Uhr geht es weiter im Programm mit der Signierstunde des großartigen Torben Kuhlmann.

Freitag, 18.00 Uhr

Der zweite Messetag liegt hinter mir. Nach der Signierstunde von Torben Kuhlmann schlenderte ich gemütlich, aber wieder einmal orientierungslos, zum Orbabismspace, wo 15.00 Uhr das Bloggerevent „Verlage treffen Literaturblogger treffen Autoren“ von Hanser, Suhrkamp und Fischer stattfand. Ich persönlich war überrascht über die doch sehr positive Grundhaltung der Autoren und Verlagsmitarbeiter gegenüber Blogs. Zwar bemängelt auch Juan S. Guse, dass auf Blogs oft dieselben Titel wie in den klassischen Medien zu finden sind und die Anwesenden betonten, dass Blogger sich ja Nischen aneignen können – sei es durch die Auswahl der Titel oder durch die Art des Besprechens von Literatur, z.B. dass keine bloße Literaturkritik betrieben wird, sondern die eigene (Leser-)Biografie mit in Besprechungen einfließt – doch insgesamt schätzen sie es, dass Blogger anders über Bücher schreiben als der Feuilleton und sie betonen den positiven Aspekt, dass eben auch Titel vorgestellt werden, die es nicht in den Feuilleton schaffen, weil sie z. B. von der letzten Saison sind. Clemens J. Setz hebte zudem hervor, dass er lange Besprechungen am liebsten liest – wieder ein Vorteil, den Blogs gegenüber Print- und Rundfunkmedien haben.

Aber das Event, das im Übrigen live auf Twitter unter dem Hashtag #hasufi15 kommentiert wurde, war auch eine Möglichkeit, andere Blogger zu treffen. Ich hatte so die Gelegenheit meine Bloggerkollegen Arndt, Hannah, Kerstin und Anja einmal persönlich zu treffen.

Und weil es so toll ist, endlich einmal Gesichter  und Stimmen zu den Namen zu haben, die mich täglich im Netz begleiten, steht der morgige (und für mich letzte) Messetag ganz im Zeichen weiterer Bloggerevents.

Mit diesem vorfreudigen Gedanken und der Euphorie, Benjamin Lacombe schon wieder live erlebt zu haben, verabschiede ich mich für heute. Salut

Samstag, 12.35 Uhr

Mein Messetag begann heute kurz nach 9 Uhr und ich war überrascht, als eine halbe Stunde später die Messehallen noch immer sehr leer waren – zur Leipziger  Buchmesse sind die Gänge am Samstag eine halbe Stunde nach Eröffnung bereits voll. In dieser Leere entdeckte ich jedoch so manchen Stand, der mir an den beiden vorangegangenen Tagen entging.

10 Uhr stand das Bloggerfrühstück vom Aufbau Verlag, dotbooks und Skoobe an, bei dem ich zwar ein paar Bloggerkollegen (wieder-)sah und eine Goodie-Bag bekam, ansonsten aber leider nur wenig davon hatte: Ich stand am Rand der Bloggermasse und da war von dem, was am dotbooks-Stand erzählt wurde trotz Mikrofon nahezu nichts zu verstehen. Ich bekam lediglich mit, dass die Anwesenden (u.a. Bov Bjerg und Tanja Kinkel) vorgestellt wurden und es Lob und Komplimente für die Autoren gab. Vielleicht sollte man so ein Event beim nächsten Mal ähnlich gestalten wie Chicken House es bei seiner Geburtstagsfeier auf der LBM15 machte: einen abgeschotteten Raum buchen und die Autoren direkt erzählen lassen, sodass sich Diskussionen und Gespräche zwischen Bloggern und Autoren leichter entwickeln können.

Nach dem Bloggerfrühstück bin ich noch ein wenig durch die Messe geschleudert, jedoch – so ehrlich will ich sein – recht unmotiviert, denn auf der FBM macht mir das Schlendern und Entdecken von Verlagen, Büchern und Autoren nicht ansatzweise so viel Spaß wie ein Leipzig, was an der unterschiedlichen Ausrichtung der beiden Messen und damit dem unterschiedlichen Flair liegt.

Daher lasse ich jetzt nur noch das Lovelybooks-Lesertreffen auf mich zukommen und fahre danach erschöpft zurück nach NRW.

Samstag, 21.30 Uhr

Das war’s. Für mich ist die FBM15 vorbei!

Erschöpft bin ich nach einer langen Zugfahrt, die natürlich nicht nach Plan verlief, Zuhause angekommen. Als erstes stand natürlich Berichterstattung an für den Liebsten, der nicht mit zur Messe konnte. Aber er hat sich schnell selbst getröstet, indem er sich umverfroren ein Buch aus der Goodie-Bag vom Lovelybooks-Lesertreffen schnappte und sich damit zum Lesen verkrümelte. Ich hoffe, er weiß die Lektüre zu schätzen, nachdem, was ich (und die anderen Lovelybooks-Mitglieder) durchmachen mussten:

Für mich war es der erste Lovelybooks-Lesertreff und ich freute mich auf dieses Treffen insofern, dass ich dachte, es kommt zu einem Austausch. Leider stellte sich aber heraus, dass viele nur zum Abgreifen der Goodie-Bags kamen. Ich war etwa 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung da und bereits zu diesem Zeitpunkt bemerkte ich etliche, die nur über die Goodie-Bags sprachen, sich permanent umsahen und überlegten, wo die Taschen wohl ausgegeben werden. Kaum traf das Team von Lovelybooks ein, sah man auch schon die ersten Besucher auf alle potenziellen Ausgabestellen zusteuern. Als es dann mit der Verteilung der Taschen losging, führten sich die meisten LB-Mitglieder leider rücksichtslos und gierig auf: Sie quetschten, schubsten, drängelten und führten sich auf wie eine Horde 13-jähriger Mädels, die ihrer Lieblingsboygroup begegnen. Kaum waren alle Taschen verteilt, verschwanden die meisten auch sofort. Von einem Austausch zwischen den Lovelybooks-Mitgliedern keine Spur. Und die ebenfalls anwesenden Autoren wurden völlig ignoriert.

Ganz ehrlich:  Ich habe mich in dem Moment (fremd-)geschämt. Der Sinn dieser Veranstaltung geriet völlig in den Hintergrund und nach solchen Fällen wundert es mich nicht, wenn Blogger ein schlechtes Image bekommen.

Ich für meinen Teil finde es toll, was das Team von LovelyBooks  immer wieder auf die Beine stemmt, doch ich bezweifle, dass ich mir dieses gollumhafte Meins-Meins-Meins-Gebaren der Goodie-Bag-gierigen Community-Mitglieder noch einmal antue.

Nun klinke ich mich aber erst einmal aus der Netzgemeinde aus und hole den Schlaf der letzten drei Nächte nach.

Macht’s gut!