The same procedure as every year: Der März ist Messemonat. Auf die Leipziger Buchmesse und die Manga-Comic-Con freue ich mich immer schon ab Dezember und wenn es so weit ist, geht es mir wie einem Kind vor Weihnachten. In diesem Jahr jedoch lies mich die Buchmesse mit gemischten Gefühlen zurück.

Frust

Bereits in den vorangegangenen Jahren hatten wir im Messeprogramm immer weniger Veranstaltungen gefunden, die uns interessierten. Das hat sich auch in diesem Jahr nicht zum Positiven gewandelt. Mit dieser Erfahrung stehen wir allerdings nicht allein da: Auch Miss Booleana fand ihre Interessen im diesjährigen Programm kaum widergespiegelt. Hinzu kam, dass einige Punkte der Manga-Comic-Con – insbesondere Signierstunden namhafter Zeichner – nicht im Programm der Buchmesse und Manga-Comic-Con gelistet waren, sondern lediglich durch Comic.de und die Verlage selbst kommuniziert wurden. Das galt beispielsweise für Che Rossié, dem Zeichner der Graphic Novel-Adaption von Markus Heitz‘ „Die Zwerge“. Sowas ist nicht nur schade für Besucher, sondern auch für die Künstler, insbesondere wenn diese aus dem Ausland anreisen.

Zu dem für uns recht geringen Angebot und dem unvollständigen Veranstaltungskatalog kam schließlich noch hinzu, dass sich manche Veranstaltungen als etwas anderes entpuppten als angekündigt (z. B. als Signierstunde statt als Gespräch), schlecht verortet waren oder ganz ausfielen. Letzteres lässt sich manchmal leider nicht vermeiden. Leider häuften sich diese Punkte am Messesamstag jedoch extrem: Von unserem vollen Samstagsplan, an dem wir sogar mehrere parallel laufende Veranstaltungen auf der Merkliste hatten, konnten wir somit nur eine einzige wahrnehmen. Da der Samstag der letzte unserer drei Messetage war, hinterließ das einen traurigen Nachgeschmack und am Ende machten wir uns (oder zumindest ich mich) enttäuscht nach Hause.

Für weiteren Frust sorgten einige Randgeschehnisse, die wir entweder selbst miterlebten oder die man in der Presse lesen konnte, die ich aber an dieser Stelle aus verschiedenen Gründen nicht weiter aufgreifen möchte.

Freuden

Doch wie ihr der Überschrift und der Einleitung entnehmen konntet, lief natürlich nicht alles schlecht für uns. Vor allem der Liebste machte dieses Jahr viele tolle Zufallsentdeckungen und ich nutzte das Ende meines Buchkaufverbotes, um lang gehegte Buchwünsche zu erfüllen und Bücher aus kleinen Verlagen zu kaufen. Zu diesen kleinen Schätzen gehörte beispielsweise der Wunderhaus Verlag, bei dem ich eine zauberhaft illustrierte Ausgabe von Hans Christian Andersens „Die kleine Meerjungfrau“ entdeckte. Und weil Bücher rund ums Meer mich magisch anziehen, gönnte ich mir beim Tulipan Verlag gleich zwei Bilderbücher mit maritimen Fokus.

Das Schönste an der Leipziger Buchmesse und der Manga-Comic-Con waren aber nicht die Buchkäufe oder Events, sondern die Begegnungen mit lieben Menschen. Jedes Jahr fest eingeplant sind die Treffen mit Steffi alias Miss Booleana und Sindy von booksandmore81. Während Sindy und ich ja uns schon vor der Zeit als Bloggerinnen kannten, habe ich Steffi erst durch unsere Blogs kennengelernt und seitdem sehr ins Herz geschlossen. Ich ärger mich nach der Buchmesse jedes Mal, dass wir so weit voneinander entfernt wohnen, da ich die Zeit mit Steffi auf der Messe immer sehr genieße.

Das erste Mal offline getroffen habe ich Jule von Jules Leseecke, Sarah von Studierenichtdeinleben und – nach vielen gemeinsamen Blogjahren – endlich auch Mareike von Mareikes Bücher sowie Sandra von der Büchernische. So unterschiedlich jede von ihnen ist, habe ich jede der gemeinsamen Stunden genossen. Mit Jule und Sarah kann man eine Menge Spaß haben. Außerdem habe ich in Jule jemanden gefunden, der mindestens ebenso tollpatschig ist wie ich. 😉 Die Begegnung mit Mareike war dem Zufall geschuldet, als Sarah, Jule und ich es uns im Messewohnzimmer (aka Lovelybooks-Stand) gemütlich gemacht hatten. Aber gerade deswegen freute ich mich umso mehr, Mareike zu sehen – es zeigt, wie klein eine derart volle Messe doch sein kann. 🙂

Mit Sandra von der Büchernische verbindet mich die gemeinsame Liebe zu Benjamin Lacombes Werken und liebevoll illustrierten Büchern. In Sandra hatte ich also auf der Messe eine „Verbündete“ bei der Suche nach Buchschätzen und das gemeinsame Stöbern habe ich ebenso sehr genossen wie unsere Gespräche.

Doch nicht nur liebe Bloggerkolleginnen durfte ich wiedersehen oder kennenlernen, sondern auch Autorin Anke Höhl-Kayser konnte ich nach vielen Jahren virtuellen Kontakts endlich einmal treffen. Leider hatte ich nach ihrer Lesung nur kurz Zeit, da der nächste Termin im Nacken saß – aber, liebe Anke, das holen wir ein anderes Mal nach!

All diese Begegnungen waren für mich die wahren Highlights der diesjährigen Messe und haben mir die schönsten Momente beschert.

Sieht man von diesen „selbst organisierten“ Highlights ab, gab es in diesem Jahr für uns zwar wenige Freudenmomente – diese machten aber den eingangs erwähnten Programmfrust mehr als wett. Positiv hervorheben möchte ich zunächst die Organisation der Messe vor Ort: Die Leipziger Messe hat beim Einlass Sicherheitskontrollen durchgeführt, die erstaunlich flüssig und ohne allzu große Staus beim Einlass vonstattengingen. Außerdem gab es weit weniger „Einbahnstraßen“ zwischen den Hallen als im vergangenen Jahr, selbst am Samstag kam man relativ gut und zügig voran, was mich angesichts der deutlich gestiegenen Besucherzahlen überrascht hat. Sicherlich war das auch zu großen Teilen dem Wetter zu verdanken, das wärmer und sonniger war als in 2016 und viele Besucher zu Pausen im Freien einlud.

Im Rahmen des Veranstaltungsprogramm freute uns besonders, dass Flix wieder vor Ort war und gleich mehrere Lesungen und Signierstunden durchführte. Flix ist für uns mittlerweile zu einer Art Pflichtprogramm auf der Buchmesse geworden, denn seine Lesungen und Gesprächsrunden sind immer wieder aufs Neue unterhaltsam. Das liegt einerseits an den tollen akustischen „Effekten“, die Flix bei Lesungen aus seinen Comics einbaut, und andererseits daran, dass er immer gut gelaunt und sympathisch auftritt und man jedes Mal spürt, wie viel Spaß ihm seine Arbeit macht (was man leider nicht von allen Autoren oder Künstlern behaupten kann).

Sehr interessant und auch entspannt verlief die Gesprächsrunde anlässlich des 5. Geburtstages von KAZE Manga. Neben gutem Kuchen gab es einen vielseitigen Einblick in die Arbeit des Verlagsteams und Aufschluss über Veranstaltungs- und Mangaprogrammplanung.

Ebenso interessant, aber deutlich ernster war das Gespräch, das Elise Lanscheck mit Zeichner Guy Delisle über seine neuste Graphic Novel „Geisel“ führte. Zwar wirkte der Gesprächsbeginn ein wenig verkrampft und arg durchgetaktet, aber nachdem beide erst einmal tiefer in die Thematik der Graphic Novel (die Geiselhaft von Christophe André 1997 im Nordkaukasus) eingestiegen waren, gelang es beiden, dem Publikum die Geschichte nahezubringen. Faszinierend – und für Guy Deslile beim Zeichnen eine große Herausforderung – war der Aspekt der Zeit: wie wichtig Zeit und das Wissen um Datum und Uhrzeit in einer Phase sind, in der man zum Nichtstun verdammt ist, in der man nie weiß, was morgen ist oder was sich außerhalb der vier Wände abspielt, weder in der direkten Umgebung noch weit entfernt im Zuhause bei der Familie und den Freunden.

Fantasy

Obwohl wir schon seit über zehn Jahren Buchmessebesucher sind, haben wir nie Veranstaltungen außerhalb des Messegeländes wahrgenommen. Dieses Mal verließen wir also erstmals die Hallen, um Lesungen im Leipziger Zentrum zu besuchen. Die Lesung von Markus Heitz aus „Des Teufels Gebetbuch“ in der Bahnhofsbuchhandlung Ludwig bildete dabei nicht nur unsere Premiere, sondern auch den Auftakt zur diesjährigen Messe. Wie bei Markus Heitz üblich war die Lesung gut besucht und äußerst unterhaltsam. Schade war jedoch, dass das sich anschließende Kartentunier auf zehn Teilnehmer beschränkt war, die per Zufallsverfahren ausgelost wurden. Viele professionelle Kartenspieler (zu denen auch der Liebste viele Jahre gehörte), die aufgrund ihrer Erfahrung für extrem spannende Spielstunden gesorgt hätten, hatten somit leider keine Gelegenheit, den Autor herauszufordern. Aber irgendwo müssen Abstriche gemacht werden, wenn ein Tunier nicht die ganze Nacht dauern soll.

Einen weiteren großartigen Abend verbrachten wir am Freitag bei der PIPER-Fantasy-Nacht mit Robert Corvus, Michael Peinkofer und Brandon Sanderson. Wir fürchteten ja zunächst, nicht reinzukommen. Zwar waren wir mehr als eine Stunde vor Beginn am Theaterhaus Schille und vor uns warteten weniger als 20 Personen, doch wurden uns die Hoffnungen genommen, als wir erfuhren, dass der Saal recht wenige Zuschauer fasst und es bereits einen ersten Einlass gegeben hatte. Am Ende war für uns aber doch Platz – und für die rund 60 Leute hinter uns ebenfalls, wenngleich die letzten Besucher auf den Treppenstufen und sogar auf der Bühne sitzen mussten. Der Abend selbst kombinierte Lesungen aus den aktuellen Werken der drei Autoren und Gesprächsrunden. Letztere verliefen dank der guten und lockeren Moderation durch Christian Handel (Darkstars Fantasy News) herrlich unverkrampft. Mit Robert Corvus, Michael Peinkofer und Brandon Sanderson hatte PIPER zudem drei Autoren zusammengebracht, die dank ihres Humors und der guten Chemie untereinander für beste Unterhaltung sorgten. Ich persönlich fand vor allem Robert Corvus als wandelndes Lexikon äußerst amüsant. Wer schon immer wissen wollte, wie man im Vakuum stirbt: Robert Corvus hat die Antwort. Michael Peinkofer hingegen kann euch Kontakte zu Firmen herstellen, die Körper einfrieren und in ferner Zukunft ins Leben zurückholen.

Auch über ihre Arbeitsweisen und ihre ersten literarischen Schöpfungen plauderten die drei Autoren ausgiebig. So erfuhren wir, dass alle drei Autoren Plotter sind, was Brandon Sanderson positiv überraschte, da er in den USA selten auf Plotter trifft. In diesem Zug verriet er uns auch gleich einige US-Autoren, die ohne vorher konstruierten Plot einfach losschreiben (u. a. Stephen King, Neil Gaiman). Interessant war auch die Geschichte, wie Brandon Sanderson dazu kam, Robert Jordans „Rad der Zeit“-Zyklus zu beenden, sowie die Masche, mit der er und sein Collegefreund und Autorenkollege Dan Wells einst ihre Kontakte zu Verlagen knüpften.

Als besondere Überraschung las Brandon Sanderson noch einen Abschnitt aus dem Mistborn-Band, an dem er aktuell arbeitet. Diesen Part hatte er erst während seiner Reise nach Deutschland geschrieben und zur Vermeidung von Spoilern auch bewusst kurz gehalten.

Am liebsten würde ich euch nun noch viel mehr von diesem Abend erzählen, der so unglaublich facettenreich, witzig und spannend war, aber dieser Beitrag ist bereits lang genug (ein großes Dankeschön, wenn ihr bis hierhin durchgehalten habt 😉 ). Daher lasse ich nun noch ein paar Bilder auf euch wirken und hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr ein Leipzig?!