Vergangene Woche hatte ich euch meine fünf Hörspieltipps für die dunklen Jahreszeiten vorgestellt. Heute möchte ich diese Empfehlungen um schaurige, mysteriöse, winterliche Hörbücher ergänzen. Viel Spaß beim Entdecken!

Für Liebhaber der rauen Wildnis: „The Wolf Wilder“

Was passt wohl besser in die bevorstehende Winterzeit als eine Geschichte, die in der verschneiten Wildnis spielt? In „The Wolf Wilder“ von Katherine Rundell begleiten wir das Mädchen Feo, das mit seiner Mutter in den russischen Wäldern lebt und dort Wölfe, die bis dato Statussymbol und Accessoire der russischen Aristokratie gewesen sind, auf das Leben in der freien Natur vorbereitet. Sprecherin Nicolette McKenzie taucht den Charakteren dabei auf beeindruckende Weise Leben ein. Ob mit reifer Stimme für die Rolle der Erzählerin, einem kindlich-trotzigen Ton für Feo oder einer vor Angst zitternden Stimme für den Jungen Ilya, der als Teil der Armee eigentlich Feos Feind ist, aber schnell ihr bester und einziger Freund wird – Nicolette McKenzie verleiht jeder Figur eine ganz individuelle Stimme und trägt so maßgeblich zum gelungenen Kopfkino und der Bindung zu den Charakteren bei.

Für David-Nathan-Fans: „Boy in the Park“

Meine allerliebsten Hörbücher sind die von David Nathan gesprochenen Romane Stephen Kings. Da ich Kings Geschichten aber eher mit heißen Sommern als mit Herbst und Winter verbinde, sind die Geschichten des Meisters in dieser Liste nicht vertreten. Eine Favoritenliste ohne David Nathan ist allerdings undenkbar – dafür ist er ein zu vielseitiger Sprecher und sein Hörbuchportfolio zu umfangreich. Für den Spätherbst empfehle ich daher David Nathans Interpretation von A. J. Graysons Thriller „Boy in the Park“, eine Geschichte, die mich immer wieder vor die Frage stellte, was real ist und was sich der Protagonist womöglich nur eingebildet hat, und die mich so manche mehr oder weniger realistische These aufstellen ließ. Vor allem aber erinnerte mich „Boy in the Park“ an Stephen Kings Geschichten – sowohl hinsichtlich der aufgegriffenen Themen als auch hinsichtlich des Erzählstils.

Für Endzeit-Leser: „Alterra“

Als ich vor einigen Jahren den ersten Band von Maxime Chattams „Alterra“-Reihe hörte, war ich froh, im Hellen mit dem Auto unterwegs zu sein, anstatt es abends vor dem Zubettgehen zu hören, denn die Wesen die hier über Nacht über die Welt hereinbrechen, sind schon sehr beängstigend. Noch heute habe ich die Szenen im Kopf, in denen sie jeden Winkel eines Hauses mit ihren Strahlern durchsuchen und sich in ihrer eigenen, merkwürdigen Sprache verständigen. Tja, und dann wären da noch die Zombies und die Tatsache, dass man eigentlich nirgendwo mehr sicher ist. Timmo Niesners jugendliche Stimme passt dabei hervorragend zu den jugendlichen Hauptfiguren, hat aber gleichzeitig etwas Unaufgeregtes und Besonnenes, das den Zuhörern in dieser endzeitlichen Welt ein Gefühl von Sicherheit und Ruhe gibt. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Story in den Folgebänden leider nicht mehr so zu packen vermag wie der Serienauftakt.

Für Blutdürstige: „Vlad: The Last Confession“

Auf C. C. Humphreys‘ „Vlad: The Last Confession“ stieß ich zum ersten Mal vor zwei Jahren durch Horrorbienes und Steppenwolfs Rezension auf Armarium Nostrum. Besonders Steppenwolfs Begeisterung für diesen Roman hat mich sofort angesteckt und da ich mich im Rahmen des Studiums schon einmal mit Vlad Țepeș – also dem „wahren“ Dracula – beschäftigt hatte, war ich umso neugieriger. Autor C. C. Humphreys und Sprecher Colin Moody machen mit „Vlad“ auch wahrlich einen tollen Job: Von der ersten Szene an schaffen sie eine intensive, mysteriöse und düstere Atmosphäre, die den Hörer sofort in eine andere Zeit entführt. Allerdings: Es empfiehlt sich, sich vor dem Hören schon etwas näher mit Vlad dem Pfähler zu beschäftigen. Und allzu zart Besaitete sollten vielleicht doch besser anderen Geschichten lauschen.

Für den Jahreswechsel: „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“

Wer mehr auf der Suche nach etwas Humorvollem ist, der sollte unbedingt zu Michael Endes „satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch“ greifen. Ach, was schreib ich: JEDER sollte dieses Hörbuch mindestens einmal gehört haben! Die zur Silvesternacht spielende Geschichte um den bösen, gewaltig unter Druck stehenden Zauberer Beelzebub Irrwitzer, seiner gierigen Tante Tyrannja Vamperl und den beiden tierischen Spionen – dem Kater Maurizio di Mauro und dem Raben Jakob Krakel – ist schon an sich außerordentlich genial. Perfekt wird sie aber als Hörbuch gelesen von Christoph Maria Herbst, der die Figuren mit so viel Leidenschaft und Einzigartigkeit spricht, dass ich immer wieder vergaß, dass es sich hier nicht um ein Hörspiel handelt. Besser kann man diese Geschichte nicht umsetzen!

Welches sind eure Hörbuch- und Hörspielempfehlungen für die dunkle Zeit des Jahres?