Jedes Jahr denken wir zurück, wie schnell die Tage, Wochen, Monate doch vergingen und blicken zurück auf viele schöne, traurige oder schockierende Momente. Bei mir war 2015 so turbulent wie kaum ein Jahr zuvor: Der Einstieg in den Job, damit verbunden der Abschied von meiner Herzensstadt Erfurt und ein völlig neues Leben in einem anderen Bundesland, mehrere Monate doppelte Haushaltsführung und ein Dasein als Wochenpendler, Geldknappheit durch Umzug und viel zu viele Stunden auf Deutschlands Autobahnen; ein Todesfall in der Familie; die mich zwischenzeitlich sehr beängstigenden gesellschaftlichen Entwicklungen im Zusammenhang mit Hass und Hetze gegen die nach Deutschland Geflüchteten; Henning Mankells Tod; drei Monate lang kein Internet bzw. nur mobiles Internet mit Modem-mäßiger Langsamkeit; kaputtes Handy, kaputter Laptop; ein mich ständig im Stich lassendes Auto, das mich eines u.a. an einem spätwinterlichen  Sonntagabend auf der Autobahn in der hessischen Pampa stranden ließ …

Vor all diesen Hintergründen blieb mir in 2015 deutlich weniger Lese- und Blogzeit als in den Vorjahren. Und wenn ich einmal Zeit hatte, fehlte mir die Konzentration oder Energie, um mich länger in ein Buch zu vertiefen oder meine Gedanken in Blogbeiträgen zu bündeln. Doch in den letzten Wochen habe ich endlich(!) zu meiner alten Lese- und Blogkondition zurückgefunden und hoffe, diese halten zu können, denn ein dreiviertel Jahr lang kaum zu lesen und quasi nicht zu bloggen, gab mir immer das Gefühl, das etwas fehlt.

Aber trotz allem hatte ich 2015 auch viele schöne Momente – sowohl im Buch- als auch im Nicht-Buch-Bereich. Ich habe erstmals an Lesemarathons teilgenommen, was ein entscheidender Schritt aus dem Loch des Weniglesens und Nicht-Bloggens war. Ich war zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse, auf der ich zwar viele wunderbare Buchmenschen traf (z.B. die überaus sympathische Mina), auf der ich mich aber nicht annähernd so wohlfühlte wie auf der Leipziger Buchmesse. Außerdem besuchte ich spannende Leseevents wie die außergewöhnliche Lesung von David Whitehouse in einem alten, englischen Bus und die grandiose, witzige Quasi-One-Man-Show von Rufus Beck zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ (und die Feststellung, dass außer mir und meinem Liebsten scheinbar niemand im Theatersaal eine Anspielung von Rufus Beck auf Stratford als Shakespeares Geburtsort verstand). Die größten Highlights waren jedoch die Präsentationen und Signierstunden von Benjamin Lacombe und meine „Glück“, zwei seiner limitierten Kunstdrucke zu ergattern – doch auf mein Jahr mit Lacombe werde ich später in einem gesonderten Beitrag noch einmal intensiver eingehen.

Was die Bücher selbst betrifft, erwähnte ich bereits, dass ich weniger las als gewöhnlich. Dafür habe ich deutlich dank der vielen Tage auf Deutschlands Autobahnen mehr Hörbücher gehört und bin dankbar für das Audible-Abo, ohne welches mich dieser Hörgenuss jeden Monat deutlich mehr gekostet hätte. 😉

Meine ursprünglichen Leseziele für 2015 habe ich durch die geringere Lesezeit aber leider nur begrenzt umsetzen können. Ich wollte ursprünglich all die Jodi-Picoult-Bücher auf meinem SUB lesen und endlich Gregory Maguires „The Wicked Years“-Reihe beenden, doch keins von beiden habe ich geschafft. Aber: Mein Vorhaben, mich stärker den Klassikern zuzuwenden, konnte ich easy-peasy in die Tat umsetzen! Ich habe endlich Tolstois „Krieg und Frieden“ gelesen und mit Victor Hugos „Les Misérables“ begonnen – beides Werke, die neben David Ebershoffs „The Danish Girl“ zu meinen Lesehighlights in diesem Jahr avancierten. Außerdem hörte ich Carlo Collodis „Pinocchio“, Jules Vernes „Der Leuchtturm am Ende der Welt“, Bram Stokers „Dracula“, Kafkas „Die Verwandlung“ und „In der Strafkolonie“; ich las Schillers „Kabale und Liebe“, begann Kafkas „Der Process“ und beendete just zum Jahresschluss Harper Lees „To Kill a Mockingbird“. Ich blicke also auf acht beendete und zwei begonnene Klassiker in einem Jahr zurück – ich denke, das ist eine gute Bilanz und wiegt die vernachlässigten Picoult- und Maguire-Romane eindeutig auf. 😀

Wie war euer (Lese-)Jahr? Woran werdet ihr euch erinnern, wenn ihr auf 2015 zurückblickt?