To Kill A Mockingbird_Anniversary Edition

‚[…] Naw, Jem, I think there’s just one kind of folks. Folks.‘

(Harper Lee: „To Kill a Mockingbird“, Arrow Books 2010, S. 250)

Pünktlich zum Jahresschluss habe ich Harper Lees internationalen Bestseller „To Kill a Mockingbird“/“Wer die Nachtigall stört“ beendet. Und jetzt hätte ich gerne mehr – zum Beispiel würde ich gerne tiefer in die Welt von Arthur „Boo“ Radley eintauchen oder alles noch einmal durch die Augen von Scouts Bruder Jem sehen, den ich während der Lektüre sehr ins Herz schloss (mein absoluter Lieblingscharakter des Romans!). Doch alles was mir bleibt, ist die noch ausstehende Lektüre von „Go Set a Watchman“/ „Gehe hin, stelle einen Wächter“.

Dabei muss ich gestehen, dass ich während der ersten Hälfte des Romans nicht erwartet hätte, dass mich das Buch packen würde, denn den Großteil der Geschichte fand ich zwar ganz nett und unterhaltsam, aber mehr auch nicht. Wirklich spannend wurde es für mich erst mit den Zeugenvernehmungen im Prozess gegen Tom Robinson und vor allem gegen Ende, als sich die Ereignisse rund um die Familie Finch überschlagen haben. Ich bangte um Tom Robinson, fluchte über die Jury und die Folgen, die deren Urteil hatte und fürchtete um Scouts und Jems Leben. Aber ich schmunzelte auch wieder über Scouts ganz eigene Sicht auf eher banale Dinge …

… und erfuhr mehr über so manche Nebenfigur und wünschte mir dabei, diese hätte im Roman eine noch größere Rolle gespielt.

Ja, während der letzten 100 Seiten hatte Harper Lee wirklich meine volle Aufmerksamkeit gewonnen – während der vorangehenden rund 200 Seiten dagegen konnte ich nicht nachvollziehen, warum nahezu jeder von „To Kill a Mockingbird“ schwärmt. Daher blicke ich auf die Gesamtlektüre auch eher mit gemischten Gefühlen zurück: Positiv in Erinnerung bleiben mir die Entwicklung von Jem, der spannende Prozess um Tom Robinson und die Übertragbarkeit vieler Denk- und Handlungsmuster auf die aktuelle gesellschaftliche Situation in Deutschland, aber als das Meisterwerk, für das ich den Roman anfangs angesichts der Lobpreisungen hielt, habe ich Harper Lees Debütroman nicht wahrgenommen. So bleibt „To Kill a Mockingbird“ in meinen Augen eine lesenswerte Geschichte, aber es wird bei mir nie auf dem gleichen Level der Hochachtung stehen wie beispielsweise Tolstois Romane.

Danken möchte ich an dieser Stelle zudem meiner wunderbaren Bloggerkollegin Miss Booleana, mit der der Austausch via Twitter sehr viel Spaß machte und die mich mit ihren Tweets immer zum Weiterlesen motivierten, wenn ich gerade einen kleinen Durchgänger hatte oder die Verlockungen durch andere Geschichten zu groß wurde. 😉


Alle Eindrücke und Zwischenberichte von Miss Booleana und mir könnt ihr hier nachlesen:

© MissBooleana

Ankün­di­gung: Miss Boo­leana und Phan­tá­si­en­rei­sen lesen die Spott­dros­sel

MissBooleanas erster Zwischenbericht: „Wir lesen … ‚Wer die Nach­ti­gall stört‘ #ToRea­dA­Mo­cking­bird (I)“

♦ Phantásienreisens erster Zwischenbericht: „#ToRea­dA­Mo­cking­bird Teil I Oder: Sweet Home Alabama?!“

♦ MissBooleanas zweiter Zwischenbericht: „Wir lesen … ‚Wer die Nachtigall stört‘ #ToReadAMockingbird (II)“

♦ Phantásienreisens zweiter Zwischenbericht: „#ToReadAMockingbird Teil II Oder: Es wird ernst“

MissBooleanas Rezension: „ausgelesen: Harper Lee ‚To Kill A Mockingbird‘ (engl. Ausgabe)“