19.00 Uhr
Auf die Bücher … fertig … los!
Der offizielle Startschuss für Herzpotenzials Lesenacht ist gefallen und ich sage den un- und angelesenen Büchern den Kampf an (zumindest einem kleinen Teil davon). Damit ich für jede Lesestimmung der nächsten Stunden gewappnet bin, habe ich mir 5 Titel von SUB und SAB geschnappt:

Stapel_Lesenacht2015

♦ „Der große Trip – Wild“ habe ich vor etlichen Wochen begonnen und erst rund 1/5 hinter mir. Bisher hat es mich leider noch nicht ansatzweise so gepackt, wie ich es erwartet hatte und wie mir die vielen Lobeshymnen versprachen. Ich möchte den Titel jedoch gerne meiner Liste der gelesenen Bücher hinzufügen und starte daher auch mit diesem Buch in die Lesenacht.
♦ „Horns“ von Stephen Kings Sohn Joe Hill war ein vor kurzem getätigter Spontankauf. Die ersten Seiten sind gelesen und treffen ganz meinen Geschmack. Hier freue ich mich wirklich sehr aufs Weiterlesen.
♦ „A Lion Among Men“ ist der dritte Teil von Gregory Maguires „The Wicked Years“-Reihe. Ich liebe das Oz, das Maguire in seinen Büchern kreiert hat, weit mehr als die originale Oz-Welt von L. Frank Baum. Allerdings schleppe ich die Lektüre von Maguires Reihe schon seit letztem Jahr mit mir herum, was bei dieser Reihe wenig klug ist, da Maguire sehr komplexe Romane geschaffen hat, bei denen Details auch mehrere Hundert Seiten oder gar ganze Bände später noch von Bedeutung sein können bzw. wiederaufgegriffen werden und ich diese feinen Kniffe bei zu langen Lesepausen weniger wahrnehme bzw. genießen kann.
♦ „Der Dieb“ zog im Oktober bei mir ein. Und weil Maike von Herzpotenzial damals so begeistert von diesem schmalen Büchlein war, möchte ich es gerne noch in diesem Jahr vom SUB-Dasein befreien.
♦ „Der Wächter des Louvre“ von Großmeister Taniguchi wanderte erst gestern von der Wunschliste ins heimische Regal und ist in dieser Lesenacht mein „Joker“, falls ich für die anderen Titel keine Konzentration habe oder (doch) nicht in der richtigen Lesestimmung bin.

Ein Leseziel für diese Nacht habe ich übrigens nicht. Jede Seite zählt! 🙂

(Alle Updates der Lesenachtteilnehmer findet ihr bei Twitter, Facebook und Instagram über den Hashtag #LNduB.)

20.15 Uhr

Wow, ist wirklich schon mehr als eine Stunde vergangenen? Ich muss gestehen, die Zeit flog regelrecht dahin. Maike und Mareike haben auf dem Blog bereits zwei Updates veröffentlicht und den Nachtlesern zwei Fragen gestellt, auf die ich an dieser Stelle kurz eingehen möchte.

„Mit welchem Buch startet ihr heute in die Lesenacht?“

Wie schon eingangs erwähnt, habe ich mit Cheryl Strayeds viel gepriesenem „Der große Trip – Wild“ begonnen. Mit der Lektüre habe ich vor etlichen Wochen begonnen, kam bisher aber immer nur schleppend voran, da mich Cheryl Strayed einfach nicht so mitreißen kann, wie ich erwartet hatte. Ich finde sie als Person einfach anstrengend und unreif. Ganz zu schweigen davon, wie leichtsinnig es ist, derart unvorbereitet und erfahrungslos einen so herausfordernden Trail zu wandern. Aber ich gebe nicht auf und hoffe, dass mich ihre Geschichte doch noch packt.

„Wie weit seid ihr gekommen? Konnte euch das Buch überzeugen?“

Ich komme bisher besser voran, als ich dachte. Die Seiten fliegen nur so vorbei. Und das obwohl „Der große Trip – Wild“ mich noch immer nicht begeistern kann. Vielleicht bin ich nach den vielen Lobeshymnen (die ich auch gerade wieder auf Twitter las) mit zu hohen Erwartungen an das Buch herangegangen. Vielleicht kann ich aber auch keine Faszination aufbringen, weil ich mich jahrelang mit Christopher McCandless/ „Into the Wild“ beschäftigt habe und mich dadurch nichts von Strayeds Schilderungen schockieren oder überraschen kann. Vielleicht ist es die Kombination aus all dem und der Tatsache, dass Cheryl Strayed eine Art Mensch ist, mit der ich im wahren Leben nie klar käme und deren Denken und Handeln ich einfach nicht nachvollziehen kann. Ich meine, welche Frau kommt auf die Idee, bei einer Wanderung, bei der man sich tagelang nicht waschen kann und unentwegt in den selben verschwitzten Klamotten unterwegs ist, einen nicht kleinen Vorrat Kondome mitzunehmen in der Erwartung einer Liaison?! Und welche Frau mit Mitte 20 muss in einer vollkommen asexuellen Situation über Begriffe wie „Schaft“ kichern? Irgendwie kann ich so eine Frau einfach nicht ernst nehmen.

Auszug aus Wild_Cheryl Strayed

Aber ich lese weiter. Ich will/muss dieses Buch endlich beenden!

22.15 Uhr

So, kleine Pause zum Energietanken und um ein kleines „Hallo“ von meiner Leseinsel zu schicken. Maike und Mareike wollten in ihren beiden letzten Updates gerne wissen, ob mich das Lesefieber gepackt hat und ob die aktuelle Lektüre gut ist oder aussortiert wird.

wpid-img_20151205_220841.jpgWas das Lesen an sich betrifft, habe ich so viel Konzentration wie seit Wochen nicht mehr. Nach langer Zeit ist es mir endlich wieder gelungen, beim Lesen gedanklich nur beim Buch zu sein und andere Gedanken sowie Umgebungsgeräusche vollkommen auszublenden. Dadurch bin ich auch seitentechnisch gut vorangekommen: Gestartet war ich heute bei ca. dem ersten Viertel von „Der große Trip – Wild“ – inzwischen habe ich rund 2/3 des Buches hinter mir. Und so langsam entwickelt sich auch Cheryl Strayed weiter, was mir die Zeit mit ihr etwas leichter macht. Aber wirklich genießen kann ich diese Lektüre noch immer nicht und da ich die Lesenacht mit positiven Leseeindrücken beenden möchte, wechsle ich nun zu einem Buch, dessen erste Seiten mich mehr zu packen vermochten: „Horns“ von Joe Hill. Es wird ein wenig grotesk und makaber, aber auf genau so etwas „Spezielles“ habe ich gerade richtig Lust.

24.00 Uhr

Die Lesenacht ist vorbei. Schon! Die fünf Stunden rasten davon und fühlten sich für mich an wie nur eine Stunde. Aber die Summe der gelesenen Seiten beweist, dass mehr als eine Stunde gelesen wurde. Zwar habe ich von den fünf ursprünglich ausgewählten Büchern nur zwei zur Hand genommen und von denen keines beendet, doch bin ich mit meinem „Problemkind“ „Der große Trip – Wild“ gut voran gekommen und habe neue Motivation gefunden, die Lektüre nicht noch mehr in die Länge zu ziehen. Bei „Horns“, das heute meine Abschlusslektüre war, habe ich rund 30 Seiten geschafft und ich bin sehr gespannt, wohin sich die Geschichte noch entwickeln wird. Die Idee dahinter ist außergewöhnlich und mir gefällt besonders, dass ich als Leser nicht mehr weiß als der Protagonist und auch nicht einmal ansatzweise ahnen kann, was der Grund für dessen Veränderung ist und was es mit all dem, was ihm widerfährt, auf sich hat. Gleichzeitig tut er mir leid – vor allem, was er sich von seiner eigenen Familie anhören muss, entsetzt. So eröffnet ihm seine Großmutter: “ ‚When I look at you, I want to be dead.‘ “ (S.52) Also kein Happy End kurz vorm Schlafengehen – aber dafür ein Lesenachtausklang mit einer Geschichte, die mich fesselt. Mit diesem guten Gefühl verabschiede ich mich ins Reich der Träume.

Vielen Dank, Maike und Mareike für die wunderbare Lesenacht und vielen Dank auch allen, die dabei waren und mich auf unbekannte Bücher neugierig machten oder Erinnerungen an gelesene Bücher wachriefen!

Euch allen nun eine gute Nacht!