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11.40 Uhr

Einen wunderschönen Samstag liebe Lesewelt!

Wörterkatzes Lesemarathon nähert sich ganz langsam seinem Ende und ich möchte das zum Anlass nehmen, Kerstins Frage vom Donnerstag zu beantworten:

„Seit ihr zufrieden bisher mit eurer Lektüre, dem #wklm2015 oder habt ihr etwas anderes erwartet? Und wenn ihr etwas anderes erwartet habt, dann bitte was.“

Ich muss gestehen, bisher bin ich ein wenig enttäuscht. Nicht über den Lesemarathon an sich – der macht Spaß und Wörterkatze Kerstin hält wunderbar die Balance zwischen dem Jeder-findet-ausreichend-Lesezeit-für-sich und dem Anregen zum Austausch durch Fragen. Nein, ich ärgere mich vielmehr über mich selbst. Obwohl ich jede freie Minute zum Lesen nutze, habe ich das Gefühl, kaum voranzukommen. Seit Donnerstag lese ich nun an „Daisy Sisters“ und habe gerade einmal die Hälfte des Buches hinter mir, obwohl es sich sehr gut liest und ich die Lektüre genieße. Beendet habe ich bisher nur ein einziges Buch – nämlich die Graphic Novel-Version von Vernes „In 80 Tagen um die Welt“, der ich mich gestern Abend widmete. Die hat mich allerdings auch nicht so vom Hocker gerissen. Die Zeichnungen selbst mochte ich sehr, doch die Handlung wurde mir einfach zu extrem zusammengerafft und die Rückschläge, die Phileas Fogg und Passepartout erleben, gehen deutlich unter, sodass im Comic der Eindruck entsteht, als wäre die Reise für die beiden ein absolutes Kinderspiel. Auch wurde vieles ziemlich verharmlost dargestellt und die Sprache selbst ist ein wenig zu stark runtergebrochen. Die Literaturcomics richten sich zwar an Kinder ab 10 Jahren, sodass sprachlich durchaus vieles vereinfacht sein muss, aber im Vergleich zum „Dschungelbuch“-Comic derselben Reihe waren die Erläuterungstexte in den Panels in „In 80 Tagen um die Welt“ meines Erachtens doch ein wenig zu simpel formuliert.

Aber: Noch läuft der Marathon  1 1/2 Tage und ich versuche bis morgen Abend noch so viel wie möglich zu lesen. Daher verschwinde ich jetzt schnell wieder zwischen den Buchdeckeln und melde mich später wieder.

14.15 Uhr

„Daisy Sisters“ habe ich vorerst zur Seite gelegt, denn Eivor, Elnas Tochter und momentane Protagonistin der Handlung, geht mir gerade zu sehr auf die Nerven. Sie ist inzwischen 18 Jahre alt und in die Stadt Borås gezogen, um dort ihre neue Arbeitsstelle in der Zwirnerei einer Reifenfabrik anzutreten. Eivor, die seit Jahren unbedingt als Schneiderin arbeiten möchte, sieht den Job in der Fabrik eher als Zwischenstation und ist davon überzeugt, bald eine Anstellung als Schneiderin in der großen Textilfirma Algots zu bekommen. Doch obwohl immer wieder durchschimmert, dass das ihr absoluter Traum ist, versucht Eivor absolut nichts, um diesem Ziel ein Stück zu kommen, weshalb ich ihr einfach nicht abkaufen kann, dass sie auch nur ansatzweise weiß, was sie im Leben möchte. Denn auch im privaten Bereich scheint sie keine eigene Meinung zu haben: Sie geht mit Männern aus, obwohl sie diese weder kennt noch an ihnen interessiert ist; trinkt und raucht, obwohl ihr der Alkohol und die Zigaretten nicht schmecken; tut generell viele Dinge, auf die sie eigentlich keine Lust hat und gibt vor, etwas zu kennen oder zu mögen, allerdings nicht, um dazuzugehören, sondern vielmehr weil sie zu faul zu Diskussionen oder Gesprächen ist. Dass sie in ihrer Freizeit permant nur am Trinken ist, mit unbekannten Personen in ein Auto steigt, um stundenlang im Kreis um einen Platz in der Stadt zu fahren und dass sie keine wirklichen Freunde hat, sondern lediglich extrem oberflächliche Freundschaften, trägt zusätzlich dazu bei, dass ich Eivor einfach nicht ernst nehmen kann. Hinzu kommt, dass sie ihre Mutter grundlos beleidigt und immer wieder zu einem Streit provoziert, obwohl Mutter Elna eigentlich nichts tut, das Eivor einen wirklichen Grund gäbe, wütend zu werden. Für so eine Person kann ich einfach keine Sympathie aufbringen, sondern finde sie einfach nur anstrengend.

Ich brauche daher erst einmal etwas Abstand von Eivor und gönne mir nun einen Lektürewechsel. Für die nächsten Stunden wird Heinrich Steinfests „Das himmlische Kind“ mein literarischer Begleiter sein.

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19.35 Uhr

In diesem Marathon steckt irgendwie wirklich der Wurm drin. Nach den unfreiwilligen Pausen von gestern komme ich heute ebenfalls nur schleppend voran. Die Musik des hiesigen Schützenfestes lenkt ab und auch sonst finde ich nicht die innere Ruhe, um mich längere Zeit auf die Bücher einzulassen. Von „Das himmlische Kind“ habe ich daher auch erst etwa ein Drittel gelesen. Im Moment weiß ich noch nicht, wie ich darüber denken soll. Zunächst einmal: Trotz des unscheinbaren Titels, einem kleinen Mädchen als Protagonistin und auf dem Coverbild handelt es sich nicht um eine seichte Geschichte für Kinder! Ziemlich schnell geht es heftig zur Sache: Die Mutter wird nach der Trennung von ihrem Mann depressiv und will sich und ihre beiden Kinder in den Tod stürzen. Doch die zwölfjährige Tochter Miriam kann sich und ihren kleinen Bruder Elias in letzter Sekunde retten. Außer Gefahr sind sie dennoch nicht, denn sie befinden sich mitten in einem Wald, durchnässt bei Minusgraden und ein Ende des Waldes scheint nicht in Sicht. Zum Glück entdeckt Miriam jedoch eine alte, verwahrloste Hütte, die den Geschwistern zumindest ein Dach über den Kopf bietet und in deren altem Ofen Miriam ein wärmendes Feuer anzünden kann. Doch natürlich mangelt es an Nahrung und wie sie aus dem schier endlosen Wald herausfinden sollen, steht in den Sternen.

Diese Grundidee des Buches gefällt mir und an sich ist es bisher auch gut umgesetzt. Aus mir unerfindlichen Gründen hat mich „Das himmlische Kind“ bislang aber dennoch nicht richtig gepackt. Ob das am Buch liegt oder an meiner momentanen Stimmung/Unkonzentriertheit, kann ich nicht sagen. Um ein wenig Abstand und neue Leseenergie zu gewinnen, pausiere ich für ein, zwei Stündchen, nutze diese Pause fürs Abendessen und ein wenig Stöbern durch Blogs. Außerdem schulde ich euch noch die Antwort auf Wörterkatzes heutige Frage zum #wklm2015:

„Welches Setting hat euch bisher am besten gefallen?“

So absurd es klingen mag, aber bisher gefiel mir am besten das Setting des Brockhaus Literaturcomics „In 80 Tagen um die Welt“. Wie ich heute morgen schrieb, hat mich die Graphic Novel an sich zwar nicht sehr überzeugen können, doch mochte ich die detailreichen Bilder, die mich in die unterschiedlichen Länder entführten und mich von fernen Kulturen und Zeiten träumen ließen. In die Bilder konnte ich regelrecht eintauchen, mich immer wieder aufs Neue in ihnen verlieren. In dieser Hinsicht konnten Mankell und Steinfest leider (ausnahmsweise) nicht mithalten. 😉

PS: Ihr wollt auch noch spontan bei Wörterkatzes Lesemarathon einsteigen oder seid einfach nur neugierig, was die anderen Marathonteilnehmer so lesen? Dann schaut einfach >hier< vorbei.