Seit nun mehr als einem Monat lesen Ute von Buchstapelweise alias @papercuts1, Ute alias @Liedie40 und ich Lew Tolstois “Krieg und Frieden”. Inzwischen liegen 50 Prozent des Wälzers hinter uns und dachte ich nach dem ersten Viertel, dass es wohl kaum noch turbulenter werden könne, wurde ich im zweiten Viertel eines Besseren belehrt: Peter/Pierre wird Mitglied bei den Freimaurern; Andree/Andrej kehrt aus dem Krieg zurück, wird kurz darauf Vater und Witwer; der russische und der französische Kaiser treffen sich zu versöhnlichen Gesprächen in meinem geliebten Erfurt – und natürlich gibt es eine ordentliche Dosis Drama.

 

Einer der Höhepunkte war dabei das von Eifersucht und Gerüchten befeuerte Duell zwischen Peter und Dolochow. Dass diese Männer auch immer so hitzköpfig sein müssen und Probleme am liebsten mit Gewalt statt mit Worten beseitigen …

 

Doch auch die Frauen sind kaum besser und verlieben sich gerne mal Hals über Kopf in einen anderen. Besonders Natalie/ Natascha liebt das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel: Als 12-Jährige schwor sie Boris ihre Liebe und beide wollten später heiraten; vier Jahre später wird Natalie beim Wiedersehen mit Boris bewusst, dass sie ihn nicht mehr liebt – dennoch macht es ihr sichtlich Spaß, ihm Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft zu machen. Erst ihre Mutter machte diesem Spiel ein Ende. Wenig später verliebt sich Natalie in den verwitweten Andree. Beide möchten prompt heiraten, doch da Andrees Vater nicht seinen Segen zu einer Ehe der beiden gibt, einigt sich das Paar auf eine heimliche Verlobung und beabsichtigt, in einem Jahr zu heiraten. Während dieses Jahres begibt es sich nun, dass Andree aufgrund seines Gesundheitszustandes verreist. Es kommt, wie es kommen musste: Natalie lernt ausgerechnet den Lebemann Anatol kennen und ist sich bereits nach drei Tagen sicher, dass sie nur ihn wirklich liebt.

 

Sowieso scheint es, als wären die Frauen zwar alle ganz hübsch und reizend, aber ansonsten wohl zu wenig zu gebrauchen. So sehr man sich also über Nikolai Rostows schlechte Einstellung gegenüber Frauen aufregen kann, muss man sich eingestehen, dass im Kontext der damaligen Gesellschaft kaum etwas anderes zu erwarten gewesen wäre – wie sollen Männer den Eindruck erhalten, dass Frauen durchaus zu den gleichen Dingen in der Lage sind wie sie, wenn der Frauenalltag nur aus Bällen, Handarbeit und Teegesellschaften besteht?

 

Neben dem großen Drama hielt das zweite Viertel von „Krieg und Frieden“ aber auch viele kleine, teils alltägliche und doch prägnante Szenen wie zum Beispiel aufrichtige Mutter-Tochter-Gespräche bereit.

 

Und natürlich hat Tolstoi auch wieder seine Ideale und Kernthemen untergeschmuggelt:

 

Es war, ist und bleibt also abwechslungsreich in Russland. Ich bin gespannt, welche Dramen und Diskussionen den beiden Utes und mir noch bevorstehen. Wenn ihr wissen wollt, wie unsere gemeinsame Lesereise weitergeht, folgt uns via Twitter unter dem Hashtag #TeamTolstoi.


Kleiner Funfact am Rande:

Immer schön konzentriert bleiben beim Lesen, sonst passiert es euch wir mir und Sätze bilden einen völlig anderen, teils grotesken Sinn.

(Der Satz endet: „[…] österreichische Kolonnenführer mischten sich unter die russischen Truppen als Vorboten des Angriffs.“ (Leo Tolstoi: „Krieg und Frieden“, Null Papier Verlag 2012, Kindle-E-Book-Location 3797))