The Ozian Year_Phantasienreisen

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Nun sind bereits vier Monate des Jahres 2014 verstrichen, ohne dass ich einen Beitrag zu meinem „Ozian Year“-Projekt veröffentlicht habe – lediglich im Rahmen eines Stöckchens sowie in meinem Beitrag zum Jahreswechsel ließ ich euch wissen, dass mein Projekt weitergeht.

Ursprünglich wollte ich alle Bücher, die in Oz spielen (also die 14-teilige Reihe von L. Frank Baum sowie die 4-bändige „Wicked“-Serie von Gregory Maguire), innerhalb des Jahres 2013 lesen. Nun hat mich L. Frank Baum, der Schöpfer dieser wunderbaren Welt, jedoch mit den meisten seiner Bücher enttäuscht: Der überwiegende Teil folgte dem gleichen Schema, es gab etliche Ungereimtheiten zwischen den einzelnen Bänden und manche wiederkehrende Charaktere wurden mir gelegentlich ziemlich unsympathisch. Dadurch verlor ich schnell meine Lesemotivation und kam deutlich langsamer voran als geplant. Statt den insgesamt 18 Büchern rund um Oz las ich 2013 nur neun und ich beschloss, die verbliebenen Bücher 2014 zu lesen.

Von Baums 14-teiliger Reihe standen noch fünf Geschichten aus. Diese habe ich in den vergangenen vier Monaten gelesen und dabei wurde ich positiv überrascht, denn ich habe sie fast durchgängig genossen! Allein die Tatsache, dass ich drei der fünf Bücher in diesem Monat gelesen habe, zeigt, dass mich Baums letzte Geschichten mehr fesseln konnten als ihre Vorgänger. Das lag in erster Linie daran, dass sie nicht dem gängigen Schema der anderen Oz-Bände folgten, sodass nicht allzu schnell Langeweile aufkam. Auch gab es nicht ständig neue Charaktere und in jeder Geschichte spielte jede Figur eine gleichermaßen wichtige Rolle für Verlauf und Ausgang der Handlung.

Band 10 – „Rinkitink in Oz“

„Rinkitink in Oz“ spielt eigentlich auf Inseln außerhalb von Oz – lediglich am Ende der Geschichte reisen die Figuren kurz nach Oz. Auch ist Rinkitink nur einer der drei Protagonisten und spielt keine derart große Rolle, dass seine Erwähnung im Titel gerechtfertigt wäre, denn tatsächlich ist der Junge Inga derjenige, der die größten Gefahren bestehen muss und auf dem die meiste Verantwortung liegt.

Ingas Eltern – das Königspaar der Insel Pingaree – sowie all ihre Untergebenen wurden auf die Inseln Regos und Coregos entführt und versklavt. Inga ist diesem Überfall durch Zufall entkommen – ebenso wie der dicke, faule Rinkitink und dessen  mürrischer Ziegenbock Bilbil, die zu Besuch auf Pingaree gewesen sind. Zu dritt wollen sie das Volk von Pingaree befreien – doch keiner von ihnen verfügt über magische Kräfte, es gibt kein Boot um die Insel zu verlassen und keine Waffen, um sich zu verteidigen. Alle Hoffnung von Inga, Rinkitink und Bilbil ruht auf drei magischen Perlen – deren Macht ist jedoch ausreichend, um sich den Feinden zu stellen.

Anfänglich konnte mich auch der zehnte Band der Oz-Reihe nicht recht packen, aber je länger ich mit Inga, Rinkitink und Bilbil unterwegs war, desto mehr genoß ich ihr Abenteuer. Gefallen fand ich dabei vor allem an der Idee mit den Perlen, da – im Gegensatz zu den anderen Büchern aus Baums Feder – die Helden nicht plötzlich durch Zufall eine magische Kraft entdecken oder sich irgendeines magischen Gegenstandes erinnern, von dem zuvor keine Rede war. Auch sind die Kräfte der Perlen simpel: Eine verleiht übermenschlische Stärke, eine andere macht unverwundbar und die dritte steckt voller Weisheit – keine große Zauberei und doch wirkungsvoll. Zudem wuchsen mir etliche Figuren ans Herz, beispielsweise die Holzfällerfamilie der Insel Regos oder auch der griesgrämige Bilbil, der stets über alles meckert und sich ständig mit Rinkitink streitet, aber eigentlich eine gute Seele ist.

Band 11 – „The Lost Princess of Oz“

Im elften Band der Reihe geht es um Ozma, die spurlos verschwunden ist – ebenso wie alle magischen Utensilien von Glinda und dem Zauberer sowie eine magische Pfanne aus dem entlegenen Land der Yips. Ozmas Freunde beginnen eine Suche durch ganz Oz und auch die Keksbäckerin Cayke, der die Pfanne gehört, sowie der bei den Yips als weise geltende Froschmann begeben sich auf den Weg. Die Wege der Gruppen kreuzen sich schließlich und es stellt sich heraus, dass ein Schumacher namens Ugu hinter dem Verschwinden von Ozma und den magischen Dingen steckt.

Zunächst gefiel mir an der Geschichte, dass es kein ewiges Vorgeplänkel gibt, stattdessen ist das Problem (und damit auch die Spannung) gleich im ersten Kapital vorhanden. Im weiteren Verlauf ebbte die Spannung aber ab und vieles wurde zu vorhersehbar. Wirklich begeistert hat mich die Geschichte daher nicht, auch gab es etliches, das nicht einprägsam genug war, um auch nach der Lektüre in meinem Kopf zu bleiben.

Band 12 – „The Tin Woodman of Oz“

„The Tin Woodman of Oz“ gehört zu meinen Lieblingsbänden der Reihe, da hier etwas aus dem allerersten Band aufgegriffen wird und es am Ende kein klassisches Happy End gibt. Leser von L. Frank Baums „Der Zauberer von Oz“ werden sich daran erinnern, dass der Holzfäller einst ein Munchkin-Mädchen liebte. Nun macht sich der Blechmann gemeinsam mit der Vogelscheuche und dem Jungen Woot auf den Weg, um seine einstige große Liebe zu heiraten. Auf dem Weg dorthin begegnen sie nicht nur der Regenbogentochter Polychrome, die sich ihnen anschließt, sondern auch einem weiteren Blechmann: ein ehemaliger Soldat, den das gleiche Schicksal ereilte wie dem Holzfäller – und der in dasselbe Mädchen verliebt gewesen ist. Statt in Eifersucht aufzugehen und zu streiten, einigen sich die beiden Blechmänner darauf, dass ihre Angebetete selbst entscheiden soll, wen sie heiraten möchte. Doch tatsächlich kommt es am Ende anders, als die beiden Blechmänner erwartet hätten. Ich selbst habe geliebt, wie diese Dreiecksbeziehung sich auflöst und musste während der Geschichte immer wieder schmunzeln. Auch schloss ich Woot in mein Herz und genoss das Wiedersehen mit Polychrome, die zu meinen Lieblingsfiguren aller Oz-Bände gehört. Von allen 14 Büchern aus Baums Feder ist „The Tin Woodman of Oz“ neben „The Wonderful Wizard of Oz“ (Band 1) die einzige Geschichte, die ich mehr als einmal lesen würde!

Band 13 – „The Magic of Oz“

Band 13 weckte in mir zunächst Frust: Es gibt ein Wiedersehen mit dem ehemaligen König der Nomen – zum gefühlt 100. Mal möchte Ruggedo Oz erobern und sich an Ozma, Dorothy und den anderen rächen. Die Geschichten um Ruggedo und die Nomen mochte ich noch nie, weshalb ich mich auf eine öde Geschichte einstellte. Eine Nebengeschichte um Trot und Cap’n Bill konnte das Ruder jedoch rumreißen und mir diesen Band versüßen.

Statt seines Nomenvolks hat Rugeddo in Band 13 nur den Munchkin-Jungen Kiki Aru hinter sich. Dieser kennt ein magisches Wort, mit dem er sich und andere in alles verwandeln kann, was er wünscht – Ruggedo möchte natürlich hinter dieses geheime Zauberwort kommen, um so die Herrschaft über Oz an sich zu reißen. Doch als es zufällig zu einem Zusammentreffen mit Dorothy, dem Zauberer, dem feigen Löwen und dem hungrigen Tiger kommt, gerät alles außer Kontrolle. Zur gleichen Zeit stecken Cap’n Bill und das Mädchen Trot, die wir seit Band 9 kennen, in Schwierigkeiten: Sie wollten Ozma zu ihrem Geburtstag eine Pflanze schenken, die immer wieder die Blüten einer anderen Blume annimmt und nie verwelkt. Die Blume, die die gläserne Katze entdeckte, befindet sich auf einer kleinen Insel – als Trotz und Cap’n Bill diese betreten, müssen sie jedoch feststellen, dass sie diese nicht mehr verlassen können, denn ihre Beine haben buchstäblich Wurzeln geschlagen. Das ist jedoch nicht ihr einziges Problem: Mit jeder Minute, die verstreicht, werden die beiden kleiner, bis sie schließlich zu verschwinden drohen. Es war vor allem diese Nebengeschichte um Trot und Cap’n Bill, die mich im 13. Band fesselte – einerseits mag ich beide Figuren (und die Glaskatze) sehr, andererseits jagt hier nicht ein Ereignis das nächste. Die Geschichte um Nomenkönig Ruggedo und Munchkin Kiki Aru ließ mich indes die meiste Zeit kalt. Erst nach dem Auftritt des Zauberers und seiner Gefährten begann ich, auch diesen Handlungsstrang spannender zu finden.

Band 14 – „Glinda of Oz“

„Glinda of Oz“ erschien 1920, also rund ein Jahr nach L. Frank Baums Tod – das merkt man der Geschichte an: Zum einen ist Band 14 der einzige Teil der Reihe, in dem es kein Vorwort von Baum gibt, zum anderen wirkt es nicht wie der finale Band einer Reihe, sondern nur wie ein weiteres Abenteuer. Als ich „Glinda of Oz“ las, wusste ich das noch nicht und war enttäuscht, dass Baum sich nichts Spektakuläres für das Ende seiner Oz-Serie überlegt hatte. Nachdem ich dann erfuhr, dass Baum vor der Veröffentlichung verstarb, wurde klar, dass Baum diesen Band wohl nicht als den letzten der Reihe angelegt hatte. Dennoch ändert es nichts daran, dass Band 14 nicht zu den besten Titeln der Reihe gezählt werden kann. Baum führt Ozma und Dorothy in einen Krieg zwischen den Völkern der Flatheads und der Skeezers. Nachdem die Königin der Skeezers verzaubert wurde, sitzt das ganze Volk zusammen mit Dorothy und Ozma fest – gefangen unter einer gläsernen Kuppel unter Wasser. Glinda und die anderen Figuren, die wir aus früheren Bänden kennen, reisen zur Rettung, doch weder Glinda noch der Zauberer verfügen über die Art von Magie, die notwendig ist, um die Skeezers zu retten. Doch zum Glück naht Hilfe von anderer Seite und es gibt – wie immer – einen guten Ausgang für die Helden der Geschichte. Wirkliche Spannung kam für mich jedoch nicht auf: Einerseits wird ständig wiederholt, wie aussichtslos alles ist, andererseits weiß der Leser von der nahenden Rettung, sodass ich nie um Ozmas und Dorothys Leben fürchten musste und mich die schier ewig dauernden Beschreibungen von Glindas vergeblichen Rettungsversuchen ziemlich anödeten.

Fazit

Nach 16 Monaten habe ich alle 14 Oz-Bände von L. Frank Baum gelesen. Die meisten davon entpuppten sich leider als Enttäuschung – zu viele Continuityfehler, zu vorhersehbar, zu häufig dasselbe Schema. Von 14 Büchern habe ich lediglich sechs richtig genossen: “The Wonderful Wizard of Oz” (Band 1), “Dorothy and the Wizard in Oz” (Band 4), “The Scarecrow of Oz” (Band 9), „Rinkitink in Oz“ (Band 10), “The Tin Woodman of Oz” (Band 12) und „The Magic of Oz“ (Band 13). Von diesen wiederum hatten lediglich Band 1 und Band 12 genug Charme, um mich zu einer wiederholten Lektüre einladen zu können. Insgesamt hat Baum in den meisten Fällen zwar ganz nette, aber eben nicht großartige Bücher geschrieben – mit Ausnahme von „The Wonderful Wizard of Oz“und „The Tin Woodman of Oz“ kann ich folglich auch keinen der 14 Bände uneingeschränkt weiterempfehlen.

Ich freue mich daher nun umso mehr auf die „Wicked“-Reihe von Gregory Maguire – nicht zuletzt, da diese sich an ein älteres Publikum richtet und dadurch deutlich komplexer ist als die Kinderbücher von Baum. Wegen meiner Masterarbeit wird es jedoch eine Weile dauern, bis ich mich der Serie widmen kann.

Wer mehr über die magische Welt von Oz wissen möchte, der sollte sich das Oz-Wiki zu Gemüte führen, das nicht nur Baums Bücher detailliert beschreibt, sondern auch alle Charaktere, Verfilmungen und alles, was in irgendeiner Art und Weise mit Oz zu tun hat.