Jim CuriousIch weiß nicht, ob Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ oder meine ersten Schnorchelausflüge der Auslöser waren, aber die Unterwasserwelt übt auf mich immer eine große Faszination aus – gebt mir Bildbände, Dokus oder Bücher rund um die Meere und Ozeane und ich vergesse für eine Zeit lang alles um mich herum. Kein Wunder also, dass ich Matthias Picards „Jim Curious: Reise in die Tiefen des Ozeans“ haben wollte, seit ich es in den Herbstvorschauen von Reprodukt sah. Doch obwohl der Comic bereits im Oktober erschien, habe ich ihn mir erst im Dezember gegönnt.

Bereits beim ersten Durchblättern verliebte ich mich in den Comic und auch nach der Lektüre hat sich daran nichts geändert, denn Matthias Picard hat mit „Jim Curious“ keinen gewöhnlichen Comic geschaffen, sondern seine Illustrationen mit einem 3D-Effekt versehen und so verwandeln sich die Bilder beim Aufsetzen der 3D-Brille in regelrecht magische Welten.

Jim Curious_Inside

Zu Beginn ist die Geschichte jedoch ganz klassisch zweidimensional gehalten. Wir starten unser Abenteuer in einem Hafenort, in dem Jim Curious eines Tages bekleidet in einem dicken Taucheranzug, der ihm kaum Bewegungsfreiheit schenkt, sein Haus verlässt. Wir laufen an die Küste, klettern hinab ins Meer und tauchen ein in die dreidimensionale Unterwasserwelt. Auf den folgenden Seiten begleiten wir Jim Curious zu einem Wrack, entdecken Atlantis, blicken einem Wal ins Auge, geraten ins Jagdrevier eines Hais und dringen schließlich bis in die Dunkelheit der Tiefsee vor. Immer wieder staunt der Leser dabei über die Bewohner des Ozeans, die dank des 3D-Effekts so greifbar scheinen, dass sie ebenso real wirken wie in den besten Unterwasser-Dokumentationsfilmen. Oft gehen die Bilder dabei nahtlos ineinander über und am Ende des Buches erwartet den Leser schließlich ein aufklappbares 3D-Panoramabild.

Matthias Picard verzichtete in „Jim Curious: Reise in die Tiefen des Ozeans“ gänzlich auf Text – das ist einerseits natürlich symbolisch für die Stille unter Wasser, andererseits würde Text auch von den großartigen Bildern und all den darin steckenden, kleinen Details ablenken.

Leider, leider ist das Abenteuer aber viel zu schnell vorbei, sodass man am liebsten gleich einen neuen Tauchgang starten möchte. Dann vielleicht mit einem weiteren Begleiter? Denn Reprodukt hat dem Comic nicht nur eine 3D-Brille beigelegt, sondern zwei, damit auch einer gemeinsamen Lektüre nichts im Wege steht.

Im Herbst war der im französischen Reims geborene Zeichner Matthias Picard übrigens mit einer Ausstellung zu „Jim Curious“ in China und Hannover, wo die dreidimensionalen Bilder des Comics mittels Schwarzlicht eindrucksvoll in Szene gesetzt wurden. Wer – wie ich – keine Möglichkeit hatte, diese zu besuchen, dem kann ich eine Bildergalerie zur Ausstellung empfehlen, die der Verlag Éditions 2024, der Matthias Picards Bücher in Frankreich vertreibt, auf seiner Homepage bereitgestellt hat. Wer mehr zur Entstehung des 3D-Comics wissen möchte, dem kann ich zudem das sehr interessante Interview von Comicgate ans Herz legen.

Doch nun genug der Worte, denn es ist unmöglich, dieses einzigartige Buch in Worte zu fassen. Daher sei an dieser Stelle nur noch gesagt, dass Matthias Picards „Jim Curious: Reise in die Tiefen des Ozeans“ für mich DIE Neuerscheinung des Jahres 2013 ist.