The Ozian Year_Phantasienreisen

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Vor einiger Zeit hatte ich euch ja mitgeteilt, dass meine Motivation für L. Frank Baums Oz-Bücher gen 0 gegangen ist. Seitdem sind nun schon wieder ein paar Monate vergangen – in dieser Zeit habe ich zwei weitere Bände der Reihe gelesen: „Tik-Tok of Oz“ (Band 8) sowie „The Scarecrow of Oz“ (Band 9). Dass die Titel der beiden Bände quasi nichts mit dem Inhalt zutun haben, darauf muss ich nach Berichten zu den vorangegangenen sieben Bänden wohl nicht mehr eingehen; ebenso wenig auf bestimmte Ungereimtheiten zu vorangegangenen Bänden (so kennen Shaggy Man und Polychrome sich in Band 8 nicht, obwohl sie bereits in Band 5, „The Road to Oz“, ein gemeinsames Abenteuer erlebten). Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden.

Ebenso hatte ich mich damit abgefunden, keine weitere wirklich gute Erzählung aus Baums Oz-Reihe mehr zu lesen: Von sieben gelesenen Bänden, hatten mich lediglich zwei begeistern können – das erste, allzu bekannte Buch „The Wonderful Wizard of Oz“ sowie Band 4 „Dorothy and the Wizard in Oz“. Nun, inzwischen sieht das Verhältnis wie folgt aus: drei gute Bände von neun gelesenen – also lediglich ein Drittel der bisher gelesenen Teile der Reihe konnte mich überzeugen.

Band 8, „Tik-Tok of Oz“, fand ich so langweilig wie kaum eines der Vorgängerbücher: Bereits während des Lesens hatte ich immer wieder etliche Figuren vergessen, sodass ich bei einem späteren Auftreten derselben dachte: „Stimmt, der/ die war ja auch noch da.“ Der Band hat wirklich eine Vielzahl an Charakteren – leider hat L. Frank Baum während des Handlungsverlaufs etliche von ihnen derart vernachlässigt, dass er sie auch ganz hätte weglassen können. Zudem wirkt die weibliche Heldin Betsy Bobbin wie eine Kopie von Dorothy.

Obwohl ich „Tik-Tok of Oz“ erst im September – also vor lediglich zwei Monaten – las, kann ich mittlerweile auch schon nicht mehr wiedergeben, wie die Geschichte begann und was konkret passierte. Ich erinnere mich lediglich, dass der Leser Shaggy Mans Bruder kennenlernt, der vom Nomenkönig gefangen gehalten wird und durch einen Zauber entstellt ist. Dass ich in so kurzer Zeit 90 Prozent des Buches vergessen habe, sollte wohl ausreichend verdeutlichen, wie gut mir die Lektüre gefallen hat … Überzeugt haben mich bei diesem Band lediglich die Überschriften, die in Alliterationen verfasst wurden.

Nach so vielen Enttäuschungen und meinem Entschluss, trotz allem die Reihe zu beenden, wurde ich mit Band 9 dann aber doch endlich belohnt: „The Scarecrow of Oz“ folgte weniger dem typischen Muster seiner Vorgängerbände und wies auch endlich einmal wieder sympathischere Charaktere auf. Zwar haben wir auch hier wieder ein Mädchen, das durch ein Naturereignis von der normalen Welt getrennt wird und zwei altbekannte Oz-Figuren, die sich später zur Abenteurergruppe dazu gesellen, doch ist Baum in diesem Band alles etwas besser gelungen: Einerseits sind die Charaktere etwas facettenreicher, andererseits bekommt jeder von ihnen gleich viel Aufmerksamkeit. Jede Figur ist mal mutig, ist mal ein Retter und steckt ein anderes Mal selbst in Schwierigkeit oder hat Angst; es gibt also nicht den einen Helden oder die eine Heldin in der Geschichte. Zudem wächst die Abenteurergruppe nicht so rasant an wie sonst: Zu Beginn treffen wir lediglich auf das Mädchen Trot und den Seefahrer Cap’n Bill, der ein Holzbein hat und in diesem Band zum Teil eine nachdenkliche, väterliche Rolle inne hat, was ich sehr mochte. Kurz darauf wird das Duo zum Trio, nachdem sie in einer Unterwasserhöhle auf den Ork Flipper treffen. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass L. Frank Baum sich Orks nicht so vorstellte, wie wir sie heute kennen, sondern als fliegende, ungefiederte Lebewesen (einen optischen Eindruck erhaltet ihr hier). Nach diesem Zusammentreffen bleibt das Trio jedoch sehr lange für sich. Natürlich treffen sie auf andere Charaktere, doch die Gruppe der Abenteurer bleibt unverändert. Dafür erhielt „The Scarecrow of Oz“ schon mal einen weiteren Pluspunkt, da mich dieses ständige Gruppenwachstum der Vorgängerbücher ziemlich nervte und vor allem auch zu vorhersehbar wurde.

Erst in der zweiten Hälfte des Buches vergrößert sich die Gruppe, als Trot, Flipper und Cap’n Bill unter anderem auf zwei bekannte Figuren anderer Oz-Bücher treffen. Im Gegensatz zu den Vorgängerbänden hat der Autor diese in „The Scarecrow of Oz“ auch gekonnter integriert: Sie sind in diesem Fall nicht die alleinigen Retter in der Not und drängen sich auch nicht so in den Vordergrund (bei den anderen Teilen wurden die neuen Charaktere fast immer nebensächlich behandelt, nachdem ein altbekannter Charakter hinzukam).

Auch die Abenteuer sind ausgefeilter: Folgte in anderen Bänden ein Ereignis auf  das nächste, nimmt sich L. Frank Baum in Band 9 mehr Zeit für diese, sodass alles stimmiger und durchdachter wirkt. Bestimmte Abenteuer wirken nicht wie sonst einfach hineingeworfen, sondern wie ein wesentlicher Teil der Handlung.

Nach all den demotivierenden Bänden zuvor war „The Scarecrow of Oz“ also endlich mal wieder ein Oz-Buch, dass ich genossen und regelrecht verschlungen habe. Seither habe ich allerdings keinen weiteren Band aus Baums Feder angerührt, denn so sehr ich hoffe, dass die noch folgenden fünf Geschichten ebenfalls überzeugen können, nimmt mir die bisherige Erfahrung mit der Reihe doch die Leselust.