In dieser Woche war Stephen King erstmals für Lesungen in Deutschland. In München und Hamburg trat der US-Autor vor mehreren tausend Leuten auf. Doch wider Erwarten habe ich bisher kaum gute Berichte zu seinen Lesungen gefunden!

Natürlich habe ich einige gelesen, gehört und gesehen – doch nur zwei Berichte waren in der Lage, mir einen wirklichen Eindruck der Veranstaltungen zu geben! Hier ein kleines Resümee:

Der ORF widmete Kings Lesung im Münchner Circus Krone einen kurzen Videobeitrag (Nachtrag vom 6. November 2014: Beitrag nicht mehr online) – in Standardberichtform auf Basis der Pressekonferenz und mit dem sinnfreien, aus der Luft gegriffenen Fazit: „Die Realität ist vielen [Lesern] scheinbar nicht grausam genug“. Ja, natürlich, King-Leser mögen Horrorgeschichten, weil sie die ganze Welt als rosarote, heile Disney-Welt empfinden und sich mehr Mord und Gewalt wünschen … Solche Schlussfolgerungen sind genauso weit hergeholt wie der Vorwurf der Realtitätsflucht, welcher Lesern der Fantasyliteratur immer wieder gemacht wird, oder auch die Ursache und Wirkung vertauschende Behauptung, dass Computerspiele Jugendliche zu Mördern machen. Nicht nur, aber vor allem durch diese Behauptung der Redakteure ist der ORF-Beitrag wohl der schlechteste, den ich zu den King-Lesungen gefunden habe.

Ein weiterer Videobeitrag findet sich auf der Online-Präsenz des Sterns (Nachtrag vom 6. November 2014: Beitrag nicht mehr online)- langweilig aufgebaut und ausschließlich auf Pressekonferenzmaterial basierend: gefühlt 200 Aufnahmen des Buches aus verschiedensten Perspektiven, zwei, drei Aussagen Kings während der Konferenz sowie ein zur Tür hereinkommender Autor. Unspektakuläre Schema-F-Berichterstattung, die durch die Reduzierung auf die Pressekonferenz das eigentliche Event komplett außen vor lässt, keinerlei interessante oder neue Informationen bereithält und damit total überflüssig ist.

Ein textlicher Beitrag findet sich beim SWR. Hier wurde ich jedoch ganz schön ent-/ getäuscht: Der Artikel wird groß mit Kings Lesung aufgemacht. Beim Lesen dann die Ernüchterung: Das erste Drittel ist viel zu langes Einleitungsblabla und die übrigen zwei Drittel – die den eigentlichen Bericht ausmachen – unterteilen sich in 50 Prozent „über King“ und 50 Prozent „über das Münchner Krimifestival an sich“. Sicher ist das Geschmackssache, doch wenn ein Artikel mit einem bestimmten Event aufgemacht und eingeleitet wird, erwarte ich, dass der Fokus des Artikels auch wirklich auf ebenjenem Event liegt und dieses nicht nach zwei kurzen Absätzen und ein, zwei Zitaten schon abgehandelt ist. Ganz zu schweigen davon, dass ich aus diesen kleinen Absätzen nicht einmal ansatzweise einen Eindruck von Kings erstem Besuch in Deutschland erhalten konnte.

Die einzigen Berichte, bei denen es wirklich um die Lesungen und die Bedeutung des erstmaligen Deutschlandsbesuchs ging, sind die Artikel der Süddeutschen Zeitung und des Tagesspiegels. Hier ist es gelungen, mir einen wirklichen Einblick in Kings erste Reise nach Deutschland zu geben. Zudem enthalten die Artikel auch tatsächliche Infos – jenseits  von Biografie, Pressekonferenz und „Doctor Sleep“-Klappentext. Der Artikel der Süddeutschen Zeitung war zudem der Einzige, der erwähnte, dass David Nathan – Sprecher von Kings Hörbüchern – ebenfalls aus „Doctor Sleep“ vorlas. Der Artikel des Tagesspiegels geht indes sehr intensiv und informativ auf den Frage-Antwort-Teil des Abends ein und macht das Event so ein Stück weit nacherlebbar.

Die genannten Berichte sind natürlich nicht die einzigen, die ich gelesen, gesehen oder gehört habe. Doch zusammenfassend fand ich (außer im Fall der beiden letztgenannten Artikel) nur nüchterne, nichtssagende Berichte, die neben klassischen, auf Wikipedia auffindbaren biografischen Fakten ausschließlich Pressekonferenzbilder und Pressemappeninformationen bereithielten. Kurz: Für die erste Deutschland-Lesereise eines international erfolgreichen Autors, der jahrzehntelang einen Bestseller nach dem anderen schrieb, fiel die Berichterstattung der meisten Medien extrem enttäuschend aus.

Daher seid nun ihr gefragt: Ich möchte gute Berichte lesen/ sehen/ hören, die mir zeigen, was ich als Nicht-Anwesende verpasst habe; Berichte, die die Abende in Hamburg und/oder München aufleben lassen und die Atmosphäre eingefangen haben. Darum: Schickt mir Links zu gelungenen Beiträgen – Blogposts (gern auch eure eigenen), Vlogs, Beiträge von Amateur- oder professionellen Journalisten etc. etc.!