In den vergangenen Wochen war es ruhig hier auf meinem Blog – war dies anfangs auf Arbeit und mangelnde Gesundheit zurückzuführen, lag es hinterher an meiner örtlichen Abwesenheit. Nach einem Jahr Praktikum gönnten wir uns vor Beginn des neuen Semesters einen Trip nach London. Da es für uns beide nicht der erste Aufenthalt in der britischen Metropole war, konnten wir auf die klassischen Sehenswürdigkeiten verzichten und uns gänzlich auf die Alltagskultur konzentrieren: Musicals, Museen und Buchhandlungen. Vor unserer Abreise erfolgte eine kleine Recherche zu guten Buchhandlungen in London – dabei zeigte sich, dass einige dort zu den schönsten Buchhandlungen der Welt gekürt wurden.

 

Gleich am ersten Tag ging es zu „Hatchards“ am Piccadilly Circus. Der Laden zwischen Piccadilly Circus und Her Majesty’s Theatre (Aufführungsort von „Phantom of the Opera“, das wir uns ebenfalls ansahen) war wirklich einen ausführlichen Besuch wert: Auf insgesamt fünf Etagen fanden sich Bücher zu allen erdenklichen Themen und Anlässen. Insbesondere Reiseliteratur sowie Bücher rund um das britische Königshaus waren hier präsent. Zudem gab es viele tolle Kinderbücher und einen guten Fantasybereich.

Wir stießen dabei zum Beispiel auf Tolkiens „Der Hobbit“ in Latein – immerhin Platz 4 auf der shopinternen Bestsellerliste! Mein Herz ging jedoch auf, als ich ein außergewöhnlich gut aufgemachten Buch über Darwin entdeckte. Nun bin ich zwar kein Wissenschaftsnerd, doch liebevoll gestaltete Bücher können mir fast jeden Inhalt verkaufen 😉 Dieses Buch hier steckte in einem Schuber und war im Innern auf alt getrimmt – vergilbt gestaltete Seiten, Zettel zum Herausziehen und Auffalten, Miniheftchen mit Kopien handschriftlicher Aufzeichnungen und viele bunte Bilder. So sollten Lehrbücher gestaltet werden – dann hätten Schüler sicherlich auch mehr Interesse an den klassischen MINT-Fächern. Der Preis von 30 Pfund hielt mich allerdings vom Kauf ab, da wir ein sehr limitiertes Budget und noch viel geplant hatten. Und wer weiß – vielleicht erscheint das Buch ja auch irgendwann auf Deutsch.

 

Etwas später am Tag machten wir auch einen Abstecher in die Buchhandlung „Waterstones“, ebenfalls beim Piccadilly Circus. Das Londoner Pop-Sternchen Jessie J bot an diesem Tag eine Signierstunde zu ihrer an diesem Tag erschienenen Autobiografie an. Die Warteschlange hierfür nahm von morgens 10 Uhr bis Nachmittags 17 Uhr kaum ab und kroch um diverse Häuserblocks herum – solche Massen hätte ich bei Robbie Williams erwartet, aber nicht bei Jessie J, die ja zumindest hierzulande nicht so berühmt ist. Wir trauten uns trotz des Ansturms in die Buchhandlung, in der es verglichen mit der Warteschlange draußen recht ruhig zuging. Insgesamt sechs großflächige Etagen hätten wir durchstöbern können. Doch einerseits war ich durch meine angeschlagene Gesundheit ziemlich kaputt und andererseits war mir „Waterstones“ als Buchladen auch zu clean und mainstream, weshalb wir nur die ersten zwei Stockwerke abklapperten. Alleinstellungsmerkmal der Buchhandlung ist der integrierte Russian Bookshop: Auf einer etwas abgegrenzten Etage findet sich eine gewaltige Auswahl an Literatur in russischer Sprache – von Romanen bis hin zu Sachbüchern und Werken über zeitgenössische Kunst. Die Buchhändlerinnen hier sind sogar russische Muttersprachler.

An unserem vorletzten Tag schließlich ging es Richtung Regent’s Park. Hier suchten wir in der Marylebone High Street gezielt „Daunt Books“ auf, wovon wir online tolle Bilder sahen. Dort angekommen, wurden wir jedoch ein wenig ernüchtert: Zwar war die Buchhandlung gemütlich eingerichtet und der rechte, zweistöckige offene Raum wirkte schon recht gut, doch insgesamt war der Shop nicht so imposant wie erwartet und vor allem kleiner. Im Nachhinein stellten wir fest, dass die Buchhandlung auch auf unseren Fotos beeindruckender wirkt, als sie live scheint.

 

Dennoch stöberten wir ausführlich bei „Daunt Books“ und können einen Besuch dort empfehlen. Auf drei Etagen findet sich hier nämlich geografisch sortierte Literatur – nicht nur Reise- und Sachbücher sind nach Ländern geordnet, sondern auch belletristische Werke nach der Herkunft der Autoren. Mir gefiel, dass hierbei nicht nur die gängigen Länder wie Schweden, Deutschland oder Frankreich vertreten waren, sondern auch Literatur aus Indien, Afghanistan, Neuseeland und anderen bei uns vernachlässigten Nationen. Zu guter Letzt landeten in unseren Taschen jedoch andere Werke: Eine leinenüberzogene Edition der gesamten Sherlock-Holmes-Geschichten für Lars und zwei Bücher von Gregory Maguires „Wicked“-Reihe für mich. Meine Oz-Kollektion ist damit nun fast vollständig – ein einziger Band fehlt noch, bis ich alle Abenteuer von Maguire und L. Frank Baum in einem Rutsch lesen kann.

Was uns sonst so in den Londoner Buchhandlungen auffiel? Die vielen Sparangebote („Kauf eins, bekomm ein weiteres zum halben Preis“, „Nimm drei, zahl zwei“) und die offen verkauften, signierten Ausgaben. Bei „Hatchards“ hätten wir beispielsweise Cassandra Clares komplette „Mortal Instruments“-Reihe in signierter Ausführung haben können.

Und was meint ihr wohl, welcher deutsche Autor am häufigsten vertreten war? Goethe, Mann, Brecht? Iwo! In absolut jeder Buchhandlung, in der wir waren (es müssen insgesamt etwa zehn gewesen sein) fanden sich die Bücher von keinem anderen als Walter Moers! Seine Zamonien-Reihe scheint dort wirklich sehr beliebt zu sein, auch wenn „Der Schrecksenmeister“ mit „The Alchemaster’s Apprentice“ eine ziemlich lahme Übersetzung bekommen hat 😉

Welches das aktuell häufigste Buch in London ist, muss ich wohl kaum erwähnen: natürlich J. K. Rowlings „The Casual Vacancy“. In jedem Shop stapelten sich Berge mit Exemplaren, die Schaufenster waren dominiert davon und auch die seriösesten Geschäftsmänner trugen in Pausen und zum Feierabend ihr Exemplar ganz offen mit sich, als wäre das Buch ihre neuste Aktentasche.

Trotz neuer Bücher und vieler Buchhandlungen bin ich während des Trips übrigens kaum zum Lesen gekommen. Aber das holte ich gestern an meinem freien Tag nach und ich hoffe, euch noch an diesem Wochenende ein oder zwei Rezensionen präsentieren zu können.