Authentisch, bodenständig, natürlich, freundlich, gut gelaunt, humorvoll, aufgeschlossen und ehrlich – so präsentierte sich Autor Bernhard Hennen am 26. Oktober in seiner Lesung zum aktuellen Werk „Drachenelfen“. Ausgerechnet in das kleine Universitätsstädtchen Ilmenau (wo mein Liebster und ich studieren) führte es den erfolgreichen Fantasy-Autoren. Drei viel zu schnell vergehende Stunden schenkte der ehemalige Journalist dem ca. 50-köpfigem Publikum – die meiste Zeit davon plauderte er mit seinen interessierten Gästen, zieht er doch den Austausch mit seinen Lesern dem bloßen Vorlesen vor. Und so erfuhren wir einiges – Privates wie Berufliches. So sprach Bernhard Hennen von der teilweisen Ohnmacht eines Autors hinsichtlich der Covergestaltung, von Rückschlägen seitens der Verlage, aber auch von den positiven Aspekten des Schriftstellerdaseins.

Doch ich möchte euch noch nicht zu viel verraten, ist Lars doch der Hennen-Leser von uns beiden. Daher hier die Ereignisse des Abends aus seiner Feder:

Nicht im „Nebenan“

Die Klischees über Lesende sind altbacken, wie der Staub in einer Bibliothek. Insbesondere das Fantasy Genre hält den Ruf einer eigenen Welt inne. Triviale und weltfremde Themen seien der beste Weg durch die Tür ins „Nebenan“. Dem entgegen steht eine Reihe von Wortfechtern – Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Welten zu vereinigen. Mit Bernhard Hennen wagte sich ein Vertreter dieser Garde in die Studentenmetropole Ilmenau.

Warmherzig begrüßte das buntgemischte Publikum den allseits bekannten „Elfen“-Autor in der Universitätsbibliothek, in der er zugleich mit seiner Lesung eine neue Ära einleitete. Ein nie dagewesenes „Spektakel“ abseits des üblichen Studentenlebens, welches Jung wie Alt vereinte, um den Worten des Erfolgsautors zu lauschen. Mit seinen Worten aus „Drachenelfen“ versetzte Bernhard Hennen seine Hörerschaft ausgerechnet in die Welt der Zwerge Galar und Hornbori. Paradox? Ein Trugschluss in der Gedankenwelt des ehemaligen Germanistik- und Geschichtsstudenten, der mitunter starke Verzweigungen zu der realen Welt „webt“ – Kalter Krieg, Kapitalismus sowie familiäre Begebenheiten finden oftmals einen würdigen Platz. Als Sympathieträger der abendlichen Gestaltung und humoristischen Einlagen erwählte der Fantasy-Schöpfer eben diese beiden.

Galar, die Reinkarnation von Jekyll und Hyde mit dem Wissensdrang eines wahrhaftigen „verrückten Professors“, forscht seit Jahren an einer Geheimwaffe gegen die Vorherrschaft der Drachen. Dagegen vereint Hornbori das äußere Erscheinungsbild eines geborenen Helden – im Sinne der Zwerge – mit dem gesellschaftlichen Rang eines Bauerntölpels. Während Hornbori nach dem Erlegen eines Drachen den gesamten Ruhm „erbeuten“ kann, versucht der Wissenschaftler Galar mit dem Blut des Untiers undenkbare Sache. Wie der Zufall es will, entdeckt die Unfähigkeit in Person, Hornbori, eine Verbindung zwischen Drachenblut und einem abartig riechenden Käse. Und mit einer Hommage an Obelix, der in seinen jungen Jahren in den Zaubertrank fiel und dauerhaft übermenschliche Stärke erlangte, ist es im Fall des Zwergs die Unverwundbarkeit. Mit einem Messer bewaffnet stürmt daraufhin Galar, der von dem Missgeschick gar nicht angetan ist, auf seinen Besucher im Labor zu. Aufgebraust und ungezügelt fuchtelt er rücksichtlos mit dem Schnitzer umher und trifft fahrlässig die mit Drachenblut benetze Hand. Der Schrei von Hornbori hallt durch alle Gänge der Zwergenbehausung. Obwohl doch nur das Messer den Kampf verloren hatte…

Nach dem Aufbau der gemütlichen und fröhlichen Stimmung widmete sich Bernhard Hennen den ernsteren Dingen des Lebens. Er ermutigte das Publikum ihm jegliche nur erdenkliche Frage zu stellen. Von dem Leben als Schriftsteller über die Arbeit mit Verlagen bis hin zu kleinen Anekdoten aus dem Alltäglichen  – nichts war den Besuchern mehr heilig. Besonders die Gefahren des Elterndaseins verschlugen dem gebannten Zuhörer die Sprache: Wenn das junge, unschuldige Töchterchen einer behaarten Bestie, ugs. Hund, gegenübersteht und den Eltern zum Eingreifen die Hände gebunden sind. Besonders gefährlich kann es dann werden, wenn die unbekümmerte Heldin in die Nase des Tieres kneift (in abgeänderter Form in einem seiner Bücher enthalten).

Leider muss auch der schönste Abend einmal ein Ende nehmen. Damit aber sein Publikum die Trauer nicht in Alkohol ertränkte, nutzte Bernhard Hennen den restlichen Abend für weiteren ausgiebigen Kontakt in einem der bekannten Studentenklubs in Ilmenau. Diese Nähe zu der Leserschaft ist selten zu finden, aber definiert für mich den Begriff eines „wahren Autors und Menschen“ zugleich.