Seit zweieinhalb Wochen bin ich nun schon in den Niederlanden und fand es daher an der Zeit, mal ein Lebenszeichen von mir zu geben.

Die ersten zwei Wochen hier waren das pure Chaos – morgens gings 5 Uhr raus aus dem Bett, 6 Uhr Abfahrt und dann stand den ganzen Tag über Organisatorisches auf dem Plan. Lange Tage und kurze Nächte also.

Das größte Problem bestand darin, dass bei unserer Ankunft hier noch keine Praktikumsplätze organisiert waren. Die Verantwortlichen hatten sich noch nicht einmal auf die Suche begeben! Daher hieß es nun zwei Wochen lang: Praktikumssuche für uns selber. Auch musste man den Verantwortlichen wirklich alles „aus der Nase ziehen“, wie man so schön sagt. Alles wurde nur auf mehrmaliges Drängen getan und dann immer nur notdürftig. Doch nun hat jeder von uns sieben Projektteilnehmern sein Praktikum. Seit diesem Montag arbeite ich nun bei einem lokalen Radio- und TV-Sender in der Kleinstadt Schijndel. Die letzten zwei Tage durfte ich fleißig zuschauen und mir wurde alles in Ruhe erklärt. Auch durfte ich schon selber Sprechproben machen und schon zwei, drei kleine Sätze sagen, die dann ausgestrahlt werden. 😉 Die Mitarbeiter dort arbeiten alle ehremtlich und sind auch sehr nett und aufgeschlossen. Das Arbeiten ist sehr entspannt und es gibt so ziemlich jede Stunde eine ausgiebige Kaffepause. Das gilt übrigens auch für andere Berufsbranchen hier, wenn ich so die Berichte der anderen Praktikanten höre. Das Arbeiten selber geht dadurch natürlich relativ langsam voran – was die Radioleute gestern an einem Tag geschafft haben, müsste man bei uns in etwa 3 Stunden erledigt haben! Kein Vergleich zu Deutschland! Auch ist es hier selbstverständlich, neben dem Beruf ehrenamtlich zu arbeiten. Dennoch hat jeder sein Wochenende frei. Und wenn es in Deutschland heißt „40h-Woche“, heißt es ja 40 stunden arbeiten plus jeweils eine Stunde Mittagspause, sodass man 45 Stunden pro Woche auf Arbeit ist. In den Niederlanden ist das anders: Hier geht jeder am Tag nur diese 8 Stunden arbeiten, die Stunde Mittagspause ist in dieser Zeit schon inklusive, sodass man auch wirklich nur die vertraglichen 40 Stunden in der Woche auf Arbeit ist.

Auch das Schulsystem ist anders: Die Schüler machen in den höheren Klassenstufen an nur etwa drei Tagen pro Woche Unterricht, an den verbleibenden zwei Tagen arbeiten sie bereits in Betrieben auf Praktikantenbasis. So können sie schon vor dem Schulabschluss ausführlich in die Berufe reinschnuppern, herausfinden, ob der Job etwas für sie ist und vor allem ein wenig von der allseits beliebten Berufserfahrung sammeln. Ein gutes System, meiner Meinung nach.

Heute habe ich nun einen freien Tag, da heute keine Mitarbeiter beim Sender sind. Morgen fahre ich gemeinsam mit einer anderen Uni-Absolventin nach Den Bosch (eigentlich ’s-Hertogenbosch, aber das sagt so hier keiner – spricht sich ja auch schlechter 😉 ). An der dortigen Fontys Hochschule bekommen wir während unseres Aufenthaltes Seminare. Das erste sollte bereits letzte Woche stattfinden, wurde dann aber abgesagt – die Absage erhielten wir aber erst, als wir bereits an der Hochschule waren, sodass wir umsonst zwei Stunden im Auto unterwegs waren und umsonst Sprit verfahren mussten (der hier noch teurer ist als in Deutschland: Super kostet rund 1,65€, Diesel etwa 1,35€ !). Hoffentlich wird das morgen nicht wieder der Fall!

Am Freitag werde ich dann beim TV eingesetzt und erhalte einen Grundkurs im Filmschnitt.

Tja, und die kommende Woche ist sozusagen Urlaub angesagt: Karneval! Die Niederländer lieben Karneval und es ist so etwas wie ein Volksfest und es wird 5 Tage lang überall groß gefeiert. Hier im Süden der Niederlande sind dann auch so ziemlich alle Betriebe geschlossen und kaum einer geht arbeiten. Lediglich in handwerkliche Berufe, beispielsweis in Fabriken, wird am Dienstag und Mittwoch gearbeitet. Alle anderen haben frei. Ich bin daher nun sehr gespannt, wie der Karneval wohl ist – normalerweise bin ich ja kein Fan dieser Festivität 😉

Ansonsten war ich bisher in Boxmeer, zu einem Meeting in Eindhoven (keine sonderlich schöne Stadt übrigens) und zum Shoppen in Nijmegen, der ältesten Stadt der Niederlande.

Gestern musste ich noch ein Weilchen auf meine Fahrerin warten, die uns alle von unseren Praktikumsplätzen abholt, und habe einen kurzen Abstecher in die Bibliothek gemacht. Diese war an sich sehr schön, warm eingerichtet und modern. Aber wenn ihr schon immer denkt, dass deutsche Cover oftmals langweilig sind, geht nicht in die Niederlande! Ich war von der Covern wirklich sehr enttäuscht – sehr eintönig, altmodisch und schlicht. Ansonsten habe ich (als Romy Schneider-Fan und Sissi-Film-Liebhaberin) noch folgendes gefunden 😉 :

 

Zum Lesen meiner vielen Reiselektüre bin ich bisher leider noch nicht oft gekommen, da wir alle sehr ständig unterwegs sind und natürlich auch viel als Gruppe unternehmen möchten. Aber ich geb mir Mühe, in den noch verbleibenden drei Wochen mehr zu lesen -schließlich hab ich so viel tollen Lesestoff eingepackt und vor meiner Abreise noch meine Buchhandlung reich gemacht 😉 ! Apropos Buchhandlung: Mein Erfurt und meine Stammbuchhandlung fehlen mir inzwischen riesig. Wie gern würde ich einfach mal wieder durch die Altstadt schlendern, in der Buchhandlung stöbern und meine Buch-Kaufsucht stillen … *seufz*

Doei,

Kathrin