Seit drei Tagen weiß die 16-jährige Gwendolyn Shepherd, dass sie ein Zeitreise-Gen in sich trägt. Ursprünglich war ihre Cousine Charlotte dafür vorgesehen. Aber das Schicksal wollte es anders und somit muss Gwendolyn sich vollkommen unvorbereitet auf ihr neues Leben einstellen. Doch nicht nur Abenteuer erwarten sie auf ihren Trips in die Vergangenheit, sondern auch die große Liebe: An den Zeitreisenden Gideon hat die Londonerin ihr Herz verloren. Nach dem ersten Kuss schwebt „Gwenny“ allerdings nicht lange auf Wolke 7, denn Gideon ist undurchschaubar, verhält sich mal wie ihr Freund, dann wieder so, als könne er sie nicht leiden. Als wäre dies nicht genug Grund zur Sorge, wird Gwenny vom Inneren Kreis der Wächter als Verräterin verdächtigt. Quasi nebenbei versucht sie außerdem noch das Geheimnis des „Grünen Reiters“ zu lüften, wobei ihr ihre Freunde Leslie und Xemerius helfen. Xemerius ist ein Wasserspeiergeist, äh… -dämon, und hat sich Geisterflüsterin Gwen regelrecht „aufgezwungen“. Gutherzig wie sie ist, hat sie seine Freundschaft (widerwillig) angenommen. Schon bald stellt sich diese Freundschaft als wahrer Glücksgriff heraus, kann Xemerius ihr doch bei so vielem behilflich sein. Nur die Reisen in die Vergangenheit muss Gwendolyn weiterhin allein bzw. mit Gideon tätigen. Und diese Ausflüge halten nicht nur Positives bereit!

Ich habe „Saphirblau“ gelesen, ohne den ersten Teil („Rubinrot“) zu kennen. Anfangs wusste ich daher beispielsweise nicht, was mit „elapsieren“ gemeint sein könnte. Dennoch fand ich sehr schnell in die Geschichte hinein.

Die Story beginnt sofort – ohne umschweifige, langwierige Einleitung. Von der ersten Seite an geschieht unglaublich viel. Daher kann man leicht in die Handlung einsteigen. Auch die Charaktere sind wundervoll kreiert – man sieht sie bildlich vor sich: die schwarzhaarige Gwen und den schönen Gideon mit seinen blauen Augen. Sie alle sind sehr real, mit Ecken und Kanten. Man muss sie einfach lieben! Vor allem Gwen erinnert mit ihrer Denkweise und ihren Sorgen daran, wie man selber als Teenager war – Leserinnen können alles nachempfinden und erkennen sich in Gwendolyn wieder, können sich mit ihr identifizieren.

Mein Lieblingscharakter in der ganzen Geschichte war Xemerius. Er ist so witzig, hilfsbereit und gut zu Gwen, dass man ihn schnell ins Herz geschlossen hat. Er ist eine wirkliche Bereicherung für die ohnehin schon gute Story.

Sehr gelungen fand ich das Verhältnis zwischen den Zeitreiseszenen und Gwendolyns Beziehung zu Gideon. Beides sind die zentralen Elemente, aber dennoch drängen sie sich nicht auf. Es dreht sich nicht ständig nur um Gideon bzw. Gwens Liebe zu ihm, sodass man dem auch nicht überdrüssig wird. Und vor allem ist ihr Verhältnis ziemlich real und keine überdreht kitschige, naive, penetrant-romantische Teenie-Lovestory.  Gideon ist nicht dieser makellose Traummann, sondern erscheint gerade anfangs eher wie der Typ Junge, von dem uns unsere besten Freundinnen immer abgeraten haben, von dem sie immer sagten, er würde es nicht ernst mit einem meinen. Und wie in der Realität kann auch Gwendolyn ihm trotz seines wahrlich gemeinen Verhaltens nicht widerstehen. Das macht ihre Beziehung ziemlich glaubwürdig und man fühlt mit der Zeitreisenden mit.

Zum Schreibstil sei gesagt, dass er nicht hochgradig anspruchsvoll oder außergewöhnlich ist und von der Handlung her betrachtet, ist das Buch kein Pageturner im Sinne von „zum-Fingernägel-vor-Spannung-abknabbern“. Dennoch liest sich es sich rasant schnell weg. Denn die Geschichte ist flüssig und abwechslungsreich geschrieben und ausgesprochen humorvoll. Es gibt so viele lustige Szenen, beispielweise als Gwenny von ihrem ersten Alkohol-Erlebnis mit ihren Freundinnen berichtet (ich sag nur: „Zac Efron, ich liebe dich“) . Außerdem hat Kerstin Gier einen sehr lockeren und leichten Stil. Man hat wirklich eine Menge Spaß beim Lesen.

Tja, und dann, dann kam das Ende! Wie gemein das doch ist/war: Gerade, als es so spannend war und so viele Fragen in meinem Kopf herum schwirrten („Hat Gideon sie wirklich nur benutzt? Was werden Gwen und Xemerius in ihrem Haus finden? Was soll ich von dem Grafen und Paul und Lucy halten?“), war das Buch zuende. Einfach so, ganz plötzlich. Und nun stehe ich hier und brenne darauf, zu erfahren, wie es weitergeht. Doch darauf muss ich noch einige Monate warten, sprich: bis „Smaragdgrün“ erscheint. Wie ich so lange warten soll, weiß ich noch nicht. Aber auf jeden Fall werde ich nun auch endlich den ersten Band lesen. 😀

Fazit:

„Saphirblau“ ist ein wunderbar geschriebenes Buch, das seinen Leser nicht selten zum Lachen bringt und liebenswerte Charaktere hat. Man kann sich gut mit allem identifizieren. Die fast 400 Seiten sind aber leider viel zu schnell vorbei – so locker und interessant ist die Geschichte geschrieben. Und am Ende will man unbedingt mehr, allein schon, um herauszufinden, wie es weitergeht.

Und auch wenn es eigentlich ein Jugendbuch ist, so kann ich es auch bedenkenlos allen über 20-jährigen empfehlen.

Die Edelstein-Trilogie hat nun jedenfalls einen Fan mehr! 🙂