Literaturverfilmungen scheinen momentan einen regelrechten Boom zu erleben; ich denke da nur an „Alice im Wunderland“, „Shutter Island“, „Beim Leben meiner Schwester“, „Die Frau des Zeitreisenden“ oder „In meinem Himmel“.

Letzteren habe ich vergangenen Montag im Kino als Cinebook erleben dürfen. Und wie der Titel der Veranstaltung schon sagt, geht es immer um ein Buch und dessen Verfilmung.

Zum Empfang erhielt jeder ein Glas Wein (der übrigens vorzüglich geschmeckt hat). Im Kinosaal lauschten wir dann einem kurzen Ausschnitt des Romans von Alice Sebold, vorgetragen von einer Mitarbeiterin unsere Lieblingsbuchhandlung. Dieser Moment währte jedoch nur kurz, da das Mikrofon versagte. Ehe die Angestellten des Kinos den Fehler behoben hatten, waren einige Minuten verstrichen, weshalb spontan alles etwas gekürzt und die Lesung beendet werden musste – was meines Erachtens zwar schade, aber nicht so dramatisch war, da ich das Buch so oder so noch lesen werde. 😉

Die Peterknecht-Mitarbeiterin erzählte uns noch ein wenig über den Inhalt und die Autorin von „In meinem Himmel“ und nach einer Buchverlosung folgte auch schon die Vorführung des Films. Diesen fand ich durchaus gelungen. Mark Wahlberg in solch einer Rolle zu sehen, war für mich eine Premiere. Doch die Darstellung des Vaters der ermordeten Susie ist ihm mehr als nur geglückt. Auch die anderen Charaktere sind sehr vielschichtig, überzeugend und real. Selbst die Nebenrollen sind mit so viel Tiefe geschrieben, dass sie nicht nur wie eine Art Requisite wirken (wie so oft in Filmen!), sondern einem wirklich ins Auge stechen und im Gedächtnis haften bleiben.

Die Geschichte an sich ist natürlich alles andere als 08/15-Popcorn-Unterhaltungskino. Die ganze Zeit fiebert man mit, will in das Geschehen eingreifen, zu Susie oder ihrer Schwester sagen: „Nein, geh nicht dort hin. Tu das nicht!“ Und natürlich macht es auch nachdenklich: Als Kinder sind wir so oft von unseren Eltern ermahnt worden, nie mit Fremden mitzugehen, vorsichtig zu sein. Damals schienen uns ihre Sorgen übertrieben, wir dachten, wir könnten gut genug auf uns selbst aufpassen. Heute, um einige Jahre älter und in dem Wissen, dass man in fünf Jahren selbst Mutter oder Vater sein könnte/ wird, sieht man es anders und wird sich dank des Films über die begründeten, elterlichen Sorgen mehr als nur bewusst.

„In meinem Himmel“ ist traurig, drückt aber nicht zu sehr auf die Tränendrüse – das große Schluchzen wie beim Film zu „Beim Leben meiner Schwester“ blieb aus. Dies soll jedoch nicht heißen, dass die Geschichte der Susie Salmon einen kalt lässt, denn das tut sie wirklich nicht. Doch dank der spannungsreichen Momente und sogar ein paar lustigen Szenen, wirkt der Film seelisch nicht allzu erdrückend.

Den Abend an sich fand ich toll – wenn man von den technischen Problemchen einmal absieht, denn die sind hier im Kino sowieso Standard.

Das Einzige, das mich wirklich gestört hat, war die ältere Frau neben mir. Vor Filmbeginn (also während der Buchvorstellung) stöhnte sie unentwegt genervt und meinte in sehr pampigem Ton während der (kurzen) Inhaltsangabe des Buches: „Das sehen wir doch dann im Film.“ Solche Leute sind echte Störfaktoren im Kino und fast so schlimm wie die Menschen, die den ganzen Film über reden. Bei solchen Personen frage ich mich immer, warum sie überhaupt gekommen sind. Gerade die alte Frau: Wenn ihr die Informationen zu Buch und Autorin egal sind, warum kommt sie dann zum Cinebook? Wenn sie nur der Film interessiert, kann sie auch zu jeder anderen Vorführung gehen und nicht zu einer Cinebook-Veranstaltung.
Doch genug jetzt mit der Meckerei – schließlich geht es in diesem Blog nicht um das Publikum oder meine Kinoerfahrungen, sondern um Bücher mit allem Drum und Dran.

Daher möchte ich hier nur noch einmal sagen, dass „In meinem Himmel“ sehr gut geworden ist, auch wenn ich momentan noch keine Vergleichsmöglichkeiten zum Roman habe. Das Buch steht allerdings schon lange auf meiner To-Read-List und sobald mein SUB etwas kleiner ist, werde ich mir Alice Sebolds „In meinem Himmel“ zu Gemüte führen – bis dahin muss ich mich jedoch erstmal entscheiden, ob ich es auf Englisch oder doch auf Deutsch lese.